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Crewlove gleich Truelove?

27. Januar 2021


Eine Laufgruppe jubelt mit Fahne und Bengalo in einer Brückenunterführung

Running Crews sind in aller Munde und keine größere Stadt kommt mehr ohne mindestens eine Crew aus. Was macht eine Crew besonders? Was verbirgt sich hinter dem Mythos Crewlove? Ist es nicht nur ein klassischer Sportverein mit hippen Leuten? Ich habe mal darüber nachgedacht.

Ich habe es schon in vielen Artikeln durchklingen lassen, dass ich oft mit meiner Crew, den PACE KILLERS, unterwegs bin. Um genauer zu sein, bin ich einer der beiden Founder und kann mich somit als Co-Captain bezeichnen. Bis zum Lockdown waren wir bei unseren Crew-Sessions mit bis zu 25 Leuten unterwegs und der Dienstag war stets fest im Kalender eingetragen. Bis wir so weit waren, war es allerdings ein langer Weg.

Wenn ich auf unsere Entwicklung schaue, dann muss ich ziemlich weit zurückdenken. Bei meinen ersten richtigen Laufjahren war ich in der Regel alleine unterwegs. Bei Trips zu Events war das nicht wirklich anders. Durch gute Kontakte zu Nike ging es für mich oft nach Berlin. Bei den Media Events waren Läufe stets ein fester Bestandteil -immer mit coolen Menschen, mit denen es Spaß machte, durch die Straßen Berlins zu laufen. Nachdem Nike das beliebte Programm ihres Run Clubs nicht mehr weiterführte, formierten sich aus einem festen Teil die Kraft Runners. Diese Crew muss ich sicherlich nicht näher beschreiben, falls du die nicht kennst, dann schau mal auf ihren Kanälen vorbei!

In Hochzeiten sind die Kraftis mit über 150 Leuten in Berlin unterwegs, eine ordentliche Ansage. All das startete in kleinem Kreis und ich hatte das große Glück, bei ein paar der ersten Einheiten dabei zu sein. Damals war ich neben dem Studium beruflich öfters in Berlin und ging mit den Mädels und Jungs laufen. Nach und nach stieg die Bekanntheit der Crew und immer mehr Läufer gingen mit den Kraft Runners auf die Laufstrecken. Bei mir gesellten sich ein Kraft-Hoodie und das passende Shirt zu meiner Ausrüstung. War ich wohl zum Fan geworden? Vielleicht ja. Viel mehr gefiel mir aber die Mischung zwischen Good Vibes und dem ambitionierten Laufen.

Mensch, sowas muss doch auch in Dresden möglich sein.

Erste Schritte in Dresden

Immer noch als Einzelkämpfer unterwegs, machte ich mir Gedanken – wo finde ich Läufer, die wie ich sind? Beim Laufen sollte es abgehen, aber nur dabei sollte es auch nicht bleiben. Das Zwischenmenschliche müsste gut passen, sodass wir uns über mehr als nur das Laufen austauschen könnten.

In Dresden gibt es natürlich ein paar Laufvereine oder Gruppen, die waren mir allerdings zu steif. Eines Tages hielt ich spontan im neuen 21Run-Laufshop an. Mein alter Kollege aus Runners Point Zeiten, René, hatte vor kurzem den Store eröffnet. Wir konnten uns früher wirklich überhaupt nicht riechen und umso erstaunlicher war unser kurzes Gespräch. „Ich hab Bock eine Art Lauftreff zu gründen, vielleicht hier im Shop?“ René meinte nur – „Klar klingt gut, lass machen.“ Der Anfang war gemacht.

Wöchentlich ging es zweimal vom Shop aus auf eine entspannte Laufrunde. René und ich wurden richtig gute Freunde und dachten uns immer mehr Ideen aus. Was können wir für Events starten, worauf haben die Leute Bock? Dabei kamen wir auf das Brücken-Ballern. Kurz gesagt eine Strava Segment-Jagd über die Dresdner Elbbrücken.

Öfters kamen neue Läufer hinzu, oder schauten nur einmal vorbei. Es bildete sich ein kleiner Kern, woraus richtig gute Freundschaften entstanden. Dennoch war es phasenweise noch etwas öde und viele Läufer waren direkt nach dem Ende des Laufs wieder verschwunden. So richtig cool, wie erhofft, war das noch nicht. Als sich alles besser eingespielt hatte, kam für uns überraschend die Info, dass der 21Run-Shop schließen muss. Von heute auf Morgen war alles vorüber. War’s das?

PACE KILLERS – Stunde 0

Natürlich war’s das noch nicht! Da standen wir nun und machten uns Gedanken. Also primär René und meine Wenigkeit. Es musste weitergehen. Wir gingen weiterhin gemeinsam laufen und entwickelten eine neue Idee. Lass uns einen Namen überlegen und einen Hub suchen.

Wir überlegten uns den Namen PACE KILLERS und dann fanden wir einen passenden Treffpunkt in einer Bar in der Dresdner Neustadt. Mit drei weiteren Freunden machten wir den Dienstag als festen Termin aus und schon ging es los. Viele neue Leute kamen noch nicht dazu, aber das war uns egal, weil wir einfach Bock hatten, weiterhin zusammen zu laufen.

Der heilige Dienstag

Das ist nun fast zwei Jahre her und siehe da, es hat ohne Krampf funktioniert. Immer mehr Leute schlossen sich uns an und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Crew. Aus den Leuten wurden Freunde und oft sitzen wir Dienstags bis zum Zapfenstreich in unserer Bar. Dabei wird viel gealbert und gelacht, um Laufthemen geht es da mittlerweile weniger. Anfang des letzten Jahrs waren wir mit zehn Leuten in Barcelona zum Halbmarathon oder bei den Pace Pack Runners in Hagen zum Movember Run. Coole Trips, welche man mit seinen „normalen“ Freunde eher selten schafft. Mit der Crew ist es was anderes und simpler.

Jeder hat Bock aufs Laufen, egal wie schnell man ist, gemeinsam eine coole Zeit zu verbringen steht über allem.

Gemeinsame Ziele verfolgen wir natürlich auch. Wenn harte Einheiten bei einem von uns im Plan stehen, dann finden sich immer recht schnell eine paar Mitstreiter. Legendär sind unsere Track Sessions am Mittwochmorgen. Halb verschlafen ging es da öfters zur Laufbahn. In der Regel ist der Zugang abgeschlossen, also kletterten wir über den Zaun und schwitzten unser Recovery Getränk vorm Vortag wieder raus.

Also, was braucht es für eine richtige Crew?

In erster Linie müssen sich ein paar Leute zusammen finden, die Bock aufs Laufen haben. Die Fähigkeit, ein paar verrückte und sinnfreie Ideen umzusetzen ist sicher nicht verkehrt. Genauso benötigt es eine gewisse Gelassenheit und man darf die Intention dahinter nicht verlieren: Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus jeden zu überzeugen, wie cool wir doch sind. Läufer, die darauf Lust haben, kommen immer wieder von alleine dazu.

Ich habe viele Jahre Fußball im Verein gespielt und da gab es einen ähnlichen Zusammenhalt, aber bei so einer Konstellation kommt der Leistungsgedanke zwischen einander an letzter Stelle, wenn er überhaupt aufkommt. Viel mehr steht bei uns das Wir im Vordergrund, denn am Ende will jeder eine schöne Zeit haben. Sicherlich mussten wir lernen, einige Dinge zu akzeptieren. Nicht jeder kann und möchte bei allem dabei sein. Dem einen reicht der Lauf am Dienstag, der andere holt dich täglich zum Laufen ab.

Jeder Dienstag, an dem wir mit unserer Crew unterwegs sind, ist genial und ein optimaler Ausgleich zum sonst so stressigen Tagesrhythmus. Wenn ich andere Läufer im Pace Killers Shirt sehe, dann macht mich das sogar ein wenig stolz.

Am Ende kann ich also sagen: Crewlove gleich Truelove.

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Bilder: Carsten Beier

4 Kommentare

  1. Hi Jan, spannender Artikel. In Berlin gibt es ja viele solcher Clubs, sei es die Adidas Runners oder der Rapha Club. Was ich hieran schade finde ist, dass man, wenn auch nur mit einer gewissen Schnittmenge, dem Vereinssport Konkurrenz macht. Sicherlich wären nicht alle daran interessiert sich in einem Verein zu organisieren, dennoch wird es dadurch zunehmend schwieriger, den Vereinssport aufrecht zu erhalten. Es ist natürlich angenehm sich im Cafe nebenan unverbindlich auf einen Lauf zu treffen, dies drückt aber auch immer ein wenig die Unverbindlichkeit der heutigen Gesellschaft aus. Man nutzt es, wenn man es braucht und wenn man nicht hingeht, dann ist es auch nicht weiter schlimm. Und natürlich findet sich wie du beschrieben hast auch ein Kern, der sich der Sache verbunden fühlt. Wäre aber dieser Kern nicht die Substanz für einen Laufverein mit modernen Regeln?

  2. Hi Tobi, sehr guter Aspekt von dir. Ja in Berlin geht es bei dem Thema richtig ab und hinter vielen Crews stehen auch Marken. Bringt diesen natürlich auch viele Vorteile, wie Bekanntheit steigern oder Produktbindung. Aber auch da habe ich auch viele Läufer kennengelernt, welche über so eine gehostete Crew organisch zusammen gewachsen sind.
    Auch wir haben bereits über eine Vereinsgründung gedacht, aber das bringt natürlich auch wieder eine Menge an neuen Aufgaben mit sich. Meist bleibt sowas an einen kleinen Kern hängen und die Nachteile (neue Aufgaben) überwiegen den Vorteilen. Da haben wir uns auch die Frage gestellt: Muss immer alles „professionalisiert“ werden? Aber ich gebe dir beim Punkt über die Unverbindlichkeit der heutigen Gesellschaft vollkommen recht.