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Anders als die Anderen: Die neue Generation des Triathlonsports

Die Zeit, in der Triathlon als Sport für Paradiesvögel belächelt wurde, ist vorbei. Die Sportart wächst und entwickelt sich weiter. Die Menschen, die mittlerweile Triathlon betreiben, passen längst nicht mehr ins veraltete Bild des Einzelkämpfer-Stereotypens. Die Szene war noch nie so entspannt, jung und lässig wie heute. Ein Blog über die neue Generation und ihre Einstellung zum Triathlonsport.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
01. Dezember 2019

Dass der Triathlon ein Sport voller Exoten und Individualisten ist, die ein Leben in Extremen führen und für die es offenbar nichts anderes als Schwimmen, Radfahren und Laufen gibt, ist ein Klischee, das nicht mehr dem aktuellen Bild der Szene entspricht. Natürlich gibt es sie noch, die Hardliner und Triathleten der ersten Stunde – aber als Synonym für die neue, junge Generation gehen sie nicht mehr durch.

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Noch vor ein paar Jahren galt: Wer Triathlon betreibt, ist nicht mehr kompatibel mit dem normalen Leben. Überspitzt gesagt natürlich. Oder: Wer Triathlon macht, wird auf kurz oder lang sozial abgehängt, weil er/sie keine Zeit mehr für Familie, Freunde oder andere Menschen hat, die nichts mit dem Sport zu tun haben. Entweder war man es schon und wurde es durch den Sport: Ein Eigenbrödler.

Außerdem wurde an allen möglichen Stellen vorgelebt und vorgegeben, wie ein Triathlet oder eine Triathletin zu sein hat: Triathlon über allem. Körperlich bis ans Maximum austrainiert, ausgezehrt. Ein Leben in Extremen, egal ob es sich um Ernährung, Training, Distanzen oder Equipment dreht.

Irgendwie hatte man stets ein bisschen das Gefühl, dass Triathlet zu sein auch bedeutet, zu verzichten und sich zu kasteien.

Allerdings ist dieses Bild vom Triathlon und von Triathleten veraltet. Der erste Schritt muss morgens nicht auf die Waage führen – auch nicht nach der Off-Season. Man muss nicht nur Körner essen und Wasser trinken, um Triathlon machen zu können. Laufen geht auch ohne Kompressionsstrümpfe. Und zum Radfahren braucht man nicht das teuerste und neuste Material auf dem Markt (auch wenn’s natürlich immer wieder schön anzusehen ist).

Alte Paradigmen sind überholt

Ein Triathlon besteht auch nicht zwangsläufig aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen – eine Sprintdistanz tut’s auch, um Spaß zu haben und überhaupt erstmal mit der Herausforderung von drei Sportarten hintereinander klar zu kommen. Und nein, es muss kein Ironman bewältigt werden, um ein „echter“ Triathlet zu sein.

Ich könnte diese Liste von alten Paradigmen beliebig fortsetzen. Muss ich aber gar nicht, denn mittlerweile gelten sie nicht mehr – auch, wenn das noch nicht überall angekommen ist.

Ich erlebe den Triathlon mittlerweile anders, jünger und viel entspannter. Die neue Generation des Sports betreibt Triathlon nicht mehr als Mittelpunkt des Lebens, sondern als Teil davon. Triathlon steht nicht mehr an erster Stelle, der Sport muss und soll kompatibel mit gemeinschaftlichen Erlebnissen sein. Es spricht zum Beispiel überhaupt nichts dagegen abends Burger, Pommes und Bierchen zu genießen und am nächsten Morgen trotzdem eine Runde zu trainieren – oder das Training sausen zu lassen. Der Triathlon hat sich locker gemacht und erlebt gerade eine neue Leichtigkeit. Das macht Spaß und tut gut!

Was zeichnet die neue Generation aus?

Vermutlich war der Zulauf zum Triathlonsport noch nie so groß wie in den vergangenen zwei bis drei Jahren. Seitdem verändert sich das Bild des Sports, das Publikum wird jünger, der Triathlon-Lifestyle lockerer, die Ansprüche an Veranstaltungen und Medien passen sich an. Gleichzeitig war auch das Angebot noch nie so vielfältig. Vor ein paar Jahren sahen die Möglichkeiten in Sachen öffentlich zugänglicher Informationen, Unterhaltung oder Events noch ganz anders aus.

Hier kommt ein wichtiger Punkt: Die neue Generation ist anspruchsvoll und kritisch.

Die neue Generation bewertet, kritisiert und fordert die Triathlonszene heraus. Es reicht als Veranstalter zum Beispiel nicht aus, Jahr für Jahr ein funktionierenden Wettkampf zu wiederholen, wenn man in der Szene besonders wahrgenommen werden möchte. Nicht umsonst lässt sich der Challenge Roth jedes Jahr aufs Neue etwas einfallen, womit er überraschen kann.

Exzellentes Beispiel: Allgäu Triathlon

Die Jungs aus Immenstadt gehören mittlerweile sicherlich zur Benchmark in Sachen Triathlonevents und erwischen mit ihrer Herangehensweise perfekt den Zeitgeist. Sie schaffen es mit cleveren Ideen und der absoluten Liebe zum Detail viel mehr aus dem Allgäu Triathlon zu machen, als nur eine Sportveranstaltung. Nicht umsonst war das Event mit 2.900 Teilnehmern für kommendes Jahr bereits nach wenigen Tagen ausgebucht.

Die Leute haben Bock dort dabei zu sein. Weil es cool ist. Weil sich das Event stellenweise selbst nicht zu ernst nimmt – und dennoch auf höchstem Niveau organisiert ist. Weil dort Triathlon auf Style, Design und Leidenschaft trifft. Weil der Allgäu Triathlon mittlerweile eine Marke ist, mit der sich die frische Generation identifizieren kann.

Das, was der Allgäu Triathlon in den vergangenen Jahren erreicht hat, zeigt auch, dass es möglich ist, sich in einem Markt durchzusetzen, der von alten Platzhirschen abgegrast erscheinen mag.

Ähnlich ist es beim medialen Angebot rund um den Triathlonsport. Auf der einen Seite gibt es die alteingesessenen Medien, die stellenweise und offensichtlich ganz schön rotieren, um nicht den Anschluss an die immer jünger werdende, neue Triathlongeneration zu verpassen.

Hier sehen wir natürlich auch unsere Challenge und Competition. Es macht unfassbare Freude mit immer wieder neuen Ideen und Plänen die unterschiedlichsten Facetten des Sports anzupacken. Dass es dafür nicht nur Rennberichte, Ergebnislisten und Bildergalerien braucht, war nicht nur für uns eine wichtige Erkenntnis, sondern zeigt sich auch bei den anderen großen, deutschen Triathlonformaten, wie der Triathlon Crew Cologne oder den selbstständigen und unabhängigen Podcastern.

Der Sport befindet sich also in einer extrem spannenden Entwicklung. Nicht nur für die Sportler, sondern auch für Veranstalter und Medien.

Wenn ich mir für die Szene und die neue Generation des Triathlonsports etwas wünschen dürfte, dann: Bitte bleibt so kritisch! Fordert Veranstalter und Medien heraus, euch zu überraschen und immer besser zu werden. Mit eurer Einstellung und eurem Anspruch sorgt ihr dafür, dass der Sport nicht nur mehr Zulauf erfährt und mehr Teilnehmerzahlen verzeichnet. Ihr sorgt auch dafür, dass sich alle Aktiven der Szene auf die Hinterbeine setzen und versuchen, dem Sport eine zeitgemäße Bühne zu bieten.

Danke dafür! Und jetzt weitermachen.

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2 Kommentare

  1. Ich bin mit den ersten 75% des Blogs total einverstanden. Was ich nicht ok finde ist der Appell die Veranstalter herauszufordern.
    Wir Kämpfen nach jeder Veranstaltung damit dass die Teilnehmer uns in den höchsten Tönen für die tolle Veranstaltung loben. Aaaaber dann kommen so Wünsche wie eine Bergwertung auf der Radstrecke oder eine Verlegung der Laufstrecke und und und.
    Dass Zeitmessmatten Geld kosten, Siegerehrungen dann noch länger dauern und Strecken genehmigt werden müssen, das kommt in der Gedankenwelt der modernen, jungen Triathleten leider nicht vor.
    Vielleicht sollte jeder Athlet verpflichtet werden mindestens einmal pro Saison nicht als Starter, sondern als Helfer dabei zu sein.

  2. Ich sehe das nicht so rosig, bei anderen Sportarten kann sehen, wo so eine Entwicklung hinführt.
    Die Anforderungen werden so hoch geschraubt, dass nur noch die großen Veranstalter mit hauptberuflichem Manpower und 8% Zahlungsbearbeitungsgebühr oder mit „Herausforderungen“ im Namen solche Anforderungen stemmen können.
    Die aber meist nur die großen Strecken machen können. Da werden dann Mega Events gemacht und die kleinen Vereine die das Ehrenamtlich machen und die, die große Last und Entwicklung für den Sport betreiben, bleiben dabei auf der Strecke. Langfristig st das eine sehr gefährliche Entwicklung, wenn die kleinen Veranstaltungen vor Ort, über die die neuen Starter kommen, wegbrechen, weil sie die Luxusanforderungen nicht mehr erfüllen können, wird es schwierig.

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