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Menstruationszyklus und Triathlon: Was passiert im Körper und wie gehen wir damit um?

Der Menstruationszyklus ist für uns Frauen nicht nur ein natürlicher Begleiter im Alltag, sondern als Triathletin und Sportlerin vor allem ein wichtiger Faktor für Training und Wettkampf. In dieser Zeit passiert offensichtlich ziemlich viel in unserem Körper. Aber wie schlägt sich der natürliche Kreislauf der Frau auf unseren Sport nieder? Sind wir dadurch eingeschränkt? Sollten wir unserem Körper an bestimmten Tagen Ruhe geben? Oder kann Sport vielleicht als natürliches Medikament wirken? Und ist was dran, dass es im Zusammenhang mit der Periode sogar zu Leistungsschüben kommen kann?

Tamara Hitz Leben bedeutet Lachen
18. Januar 2019 Gesundheit Triathlontraining

Vorgeschichte: Ich hatte in meinen jungen Jahren als Schwimmerin einen Trainer, der aus Russland stammte und der wirklich viel Wert daraufgelegt hat der Menstruation eine wichtige Rolle in der Trainingssteuerung zu geben. So durften wir bei ihm während der Periode nur ganz locker trainieren oder sollten sogar komplett Ruhe halten. Seitdem kommt die Frage nach dem Warum immer wieder hoch. Nun wollte ich dem Hintergrund auf die Schliche kommen und meine Gedanken dazu mit euch teilen.

Was passiert während des Menstruationszyklus im Körper?

Im Körper der Frau spielt sich regelmäßig und in relativ gleichen Zeitabständen eine hormonelle Veränderung ab. Dieser Vorgang wird in vier unterschiedliche Phasen mit hormonellen und morphologischen Veränderungen unterschieden:

  1. Menstruationsphase: Abstoß der Gebärmutterschleimhaut mit Menstruationsblutung und starker Abfall des Östrogen- und Progesteronspiegels. Im Volksmund nennt man diese Phase „Tage“.
  2. Follikelphase: Es kommt zu einer hohen Östrogenkonzentration im Blut, die Eizelle entwickelt sich bis eine Befruchtung stattfinden kann und Neuaufbau der Gebärmutterschleimhaut durch Östrogene und Produktion des Hormons Progesteron beginnt.
  3. Ovulation (=Eisprung): Eizelle wandert in die Gebärmutter. Zu diesem Zeitpunkt kann die Körpertemperatur um bis zu 1°C ansteigen.
  4. Lutealphase: Produktion von Östrogen und großer Mengen Progesteron. In dieser Phase wird man entweder schwanger oder die Gebärmutterschleimhaut wird ab- und ausgestoßen und die Periode/ein neuer Menstruationszyklus beginnt.

Kurz zusammengefasst: In dieser Zeit geht in unserem Körper ganz schön was ab. Zusätzlich! Denn natürlich geben wir Sportlerinnen unserem Körper durch das Training noch weitere Aufgaben, mit denen er durch entsprechende Anpassungs- und Stoffwechselprozesse klarkommen muss. Nimmt man dann auch noch alltäglichen Stress oder psychischen Druck hinzu kann es durchaus passieren, dass es zu Unregelmäßigkeiten des Menstruationszyklus kommt. Sollte das bei einer Sportlerin, die hier mitliest, vorkommen:

Eine Unregelmäßigkeit kann wirklich durch erhöhten Stress oder immense Trainingsbelastung begründet werden. Aber klar ist auch, dass ärztlicher Rat immer hilf- und aufschlussreicher ist, als ein Blogbeitrag…

In Zusammenhang mit diesem Thema und dem „Symptom“ der ausbleibenden Periode stößt man schnell auf das sogenannte Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Auf der Website pcos-selbsthilfe.org findet man dazu folgende Zeilen, die klarmachen, dass Mutmaßungen hierbei nicht weiterhelfen, sondern nur ein Arztbesuch:

  • „Zur Diagnostik des PCOS sind umfangreiche Untersuchungen notwendig. Dazu gehört immer ein ausführliches Gespräch mit der Patientin (Beginn der ersten Periode, Menstruationszyklus, Pubertätsentwicklung, Familiengeschichte etc.), eine körperliche Untersuchung mit Beurteilung der Haut und der Körperbehaarung und Bluttests mit Bestimmung verschiedener Hormone. Komplettierend sollte eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke durchgeführt werden. Eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), der Nebenniere und des Eierstocks (Ovar) muss ausgeschlossen werden. Zudem ist eine Untersuchung der Schilddrüsenfunktion erforderlich, da ein Teil der PCOS Patientinnen zusätzlich noch an einer Autoimmunentzündung der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis) leidet, die zu einer Unterfunktion führen kann. Diese Schilddrüsenunterfunktion kann, genauso wie das PCOS, Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.“

Jede Frau ist anders

So unterschiedlich wir Frauen sind, so unterschiedliche Auswirkungen hat auch der Zyklus auf uns. Schmerzen, Stimmungsschwankungen oder Leistungsabfall sind nur wenige Beispiele, die während des Zyklus auftreten können. Frauen, die von diesen Nebenwirkungen stärker betroffen sind, sind wahrscheinlich auch stärker in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Natürlich ist es dann immer schwierig und eine besondere Herausforderung, wenn ein Wettkampf genau in die Zeit der Periode fällt.

Erst fühlen wir uns unwohl und dann sind wir auch noch leistungsschwächer – Na toll. Das hat die Natur ja wieder super hinbekommen.

Können wir dagegen nicht etwas tun? Natürlich gibt es durchaus Möglichkeiten den Menstruationszyklus zu verlängern oder zu verkürzen, um einen wichtigen Wettkampf ohne Bauchkrämpfe und sonstigen Einschränkungen durchführen zu können. Eigentlich ist ja auch genau das unser Ziel, wenn wir Woche für Woche, Monat für Monat trainiert haben, um eine bestimmte Leistung abzurufen oder unser Ziel zu erreichen. Generell habe ich dazu zwei Meinungen: Für Spitzensportlerinnen, die ihr Geld hart erarbeiten müssen und auf Top-Leistungen angewiesen sind, finde ich eine Einflussnahme auf den Zyklus in Ordnung. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es in einem vertretbaren Rahmen bleibt.

Aktiv sich selbst unterstützen

Für uns Hobbyathletinnen finde ich, dass wir den natürlichen Prozessen in unserem Körper nicht entgegenwirken sollten. Klar kann es von unangenehmen Gefühlen bis hin zu wirklichen Schmerzen reichen, aber dieser natürliche Vorgang im Körper gehört zum Frau sein dazu. Meine Empfehlung lautet daher: Versteckt oder verkriecht euch nicht, sondern lasst das Unwohlsein zuhause! Geht raus und genießt die Bewegung, meistens geht es einem dann schon gleich etwas besser. Grundsätzlich können Bewegung, gesunde Ernährung und „mit sich im Reinen sein“ zu einer Verbesserung der Menstruations-Beschwerden führen. Durch die Bewegung wird die Durchblutung angeregt und eine gesunde Ernährung bietet viele wichtige Nährstoffe – wir unterstützen unseren Körper also aktiv bei seiner Arbeit.

Unter diesen Aspekten kann ich zwar nachvollziehen, dass unser Trainer damals versucht hat uns im Training nicht noch mehr zu belasten. Aber über die Jahre habe ich persönlich selbst ein Gefühl dafür entwickelt, was mir guttut und was nicht. Wie gesagt finde ich Sport und Bewegung eher hilfreich, um dem Unwohlsein entgegenzuwirken.

Über den Tellerrand: Top-Leistungen durch Schwangerschaft?

Ich möchte diesen Blog auch nutzen, um den Blick noch auf ein verwandtes Thema zu werfen. Denn wenn wir das Ganze noch etwas weiter spinnen und die „negativen“ Dinge, die wir mit der Menstruation verbinden mal bei Seite lassen, dann sehen wir, dass der Körper einer Frau durch die natürlichen Prozesse sogar auch leistungsfähiger werden kann.

In einem Gespräch habe ich aufgeschnappt, dass vor allem in den ersten Monaten einer Schwangerschaft die Leistungsfähigkeit von Frauen zunehmen kann. Auf der Website doping-prevention.com findet man dazu diese Erläuterung:

  • „Im Hinblick auf Doping besteht der erwünschte Effekt in einer Zunahme der Herzleistung während der ersten Monate der Schwangerschaft. Des Weiteren kommt es zu einer Zunahme des Blutvolumens, der roten Blutkörperchen und des Hämoglobins. Die daraus resultierende Steigerung der Sauerstoffversorgung der Muskeln führt zu einer 10%igen Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Risiken beziehen sich auf die besondere Verletzlichkeit des Fötus ab dem 3. Monat der Schwangerschaft. Ein geplanter Schwangerschaftsabbruch nach der Sportveranstaltung stellt für die Frauen eine erhebliche Gefahr dar, vor allem wenn der Abbruch in einer nichtmedizinischen Umgebung und durch unprofessionelles Personal erfolgt. Ausgeprägte psychologische Auswirkungen sollten ebenfalls nicht unberücksichtigt bleiben.“

Im Grunde ist dieser Vorgang im Körper, der absolut natürlich passiert, vergleichbar mit den Ergebnisse, die durch Blutdoping erzielt werden. Der Spiegel hat 1988 einen Artikel veröffentlicht, in dem es um „Schwangerschafts-Doping“ geht. Natürlich ist der Artikel nun 30 Jahre alt, aber trotzdem macht er mich (oder ist es einfach nur die Vorstellung?) fassungslos: Gezielte Schwangerschaften und -abbrüche nur für Top-Leistungen? Ein kranker und perverser Gedanke. Wie dem auch sei, so richtig aufgeklärt wurde diese Thematik nicht und ist in der Öffentlichkeit eigentlich auch nicht mehr aufgetaucht.

Die Bedeutung von Eisen

Falls ihr Themen wie die Bedeutung von Eisen oder die Folgen eines Eisenmangels vermisst habt, dann keine Sorge. Dafür wird es einen eigenständigen und ausführlichen Beitrag geben, da dieses Thema durchaus auch spannend für männliche Triathleten sein könnte, die hier bei diesem Beitrag vielleicht schon früher ausgestiegen sind.

1 Kommentare

  1. Interessant, dass Störungen im Menstruationszyklus auch durch eine Störung in der Schilddrüse entstehen kann. Ich weiß, wenn ich darüber nachdenke auch von einer Bekannten, die in einem Schilddrüsenworkshop in der Schilddrüse den Grund für einige ihrer Symptome gefunden hat. Eine sehr nützliche Information, die man gut zur Selbstbeobachtung nutzen kann.

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