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Girona – Das Rad- und Triathlon-Trainingsparadies für den Anti-Poser

Girona dürfte vielen Triathlon- und Radsportinteressierten mittlerweile ein Begriff sein. Maßgeblich dazu beigetragen hat sicherlich Jan Frodeno, der einen Großteil seiner Zeit in dem kleinen, spanischen Städtchen verbringt. Girona ist aber auch so etwas wie die Wahlheimat von Till Schenk – der Quatschkopf, den viele von euch als Triathlon-Moderator kennen dürften. Deshalb habe ich Till auch um einen Gastbeitrag über die Vorzüge Gironas gebeten. Er hat sofort in die Tasten gehauen und einen astreinen Location-Check für unser CAMP Special abgeliefert.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten

Es ist Donnerstagfrüh, 9:30 Uhr, und wir klettern aus dem 50 Meter Pool. Die Sonne scheint, das Frühstück ist verdient und wir machen uns auf den Weg in eines unserer beiden Lieblingscafés. Auf dem Plan stehen Acai Bowl und ein bis drei Kaffee, mit Liebe von Federico zubereitet. Die Stärkung für die kommende Radausfahrt. Die wenigsten radeln hier in den Wintermonaten vor 11 Uhr los. Warum auch um 8 Uhr bei 6 Grad im fahren, wenn es um 11 Uhr 18-20 Grad hat. Im Februar versteht sich.

Ein normaler Tag in Girona

Es geht vorbei an der ‚Steinbrücke‘, um kurz zu schauen wer heute sonst noch fährt. Innerhalb von zehn Minuten sind wir raus aus der Kleinstadt. Heute steht die Küstenrunde an: 115 Kilometer mit knapp 1600 Höhenmetern und einigen der besten Abfahrten, die meine Freunde jemals im Leben fahren werden. Über eine kleine, sich windende Bergstraße geht es über die Kuppe auf die Küstenseite und wir schauen auf das Meer.

Davor liegen aber noch sechs Kilometer feinste Vollgas-Abfahrt.  Nach 60 Kilometern, mit unfassbaren Aussichten und fast keinem Verkehr, legen wir in Platja d’Aro um Dulce Pikika an. Wer hier nicht für Kaffee und Cupcakes oder Kuchen stoppt, der hat den Sinn des Radfahrens nicht verstanden und in unserem Grüppchen nichts verloren.

Nach der kleinen Stärkung geht es entlang der Küste weiter. Noch ein wunderschöner Anstieg und dann rollend durch die Felder wieder zurück zum Ausgangsort. Zwischendurch fühlt es sich für meine Freunde mehr wie eine Entführung, als eine Radtour, an – so wenig Verkehr, wie wir ihn entlang der Costa Brava haben, sind sie einfach nicht gewohnt.

Trainingslager in Girona: Siesta muss sein

Schnell einen Happen bei Freunden kochen und nach einer kleinen Siesta in der Nachmittagssonne werden die Laufschuhe angezogen. Nur wo laufen wir?

Endlose Waldwege durch die Birkenwälder oder doch lieber auf die Singletrails direkt hinter der Kathedral? Egal, geil wird essowieso.

Nach dem Abendessen beim lokalen Italiener steht die härteste Entscheidung des Tages an: Welche Sorten Eiscreme wähle ich heute bei Juan im Bombonera? Der Mann hat es verstanden. Nicht nur, dass seine Frau noch immer Zuhause das sagenhaft Eis von Hand herstellt, sondern er würde auch nie nur eine Kugel Eis verkaufen. Unter zwei Kugeln geht da gar nichts.

Girona: Zum verlieben schön

Girona, das ist Spanische Ruhe, das ist die Costa Brava, das sind endlose Anstiege, kein Verkehr. Das ist Sonne, Kaffeestops und einfach nur pure Rad- und Triathlonmotivation. Girona, das ist das Paradies für Ausdauersportler. Da ist es egal, was der Bocki über Südtirol sagt.

Wenn ich mir jemals ein Triathlontattoo stechen lasse, dann ist es die Kathedralevon Girona.

Wer kommt nach Girona und wer lieber nicht?

Poser. In Girona interessiert sich keiner dafür, was Du für einunfassbarer Held bist, weil Du einen Ironman unter zehn Stunden machen kannst. Es will auch keiner wissen, welchem Pro Du schonmal die Hand geschüttelt hast. Die gehören in Girona eh zum Alltag. Wenn Du eine App brauchst, um zuwissen, dass Du am Vorabend zu viele Kalorien gegessen hast, wenn jeder Satz mit ‚ich‘ oder ‚Ironman‘ beginnt oder wenn Du soziale Kontakte nicht magst, dann fahr bitte bis Barcelona weiter und nimm die Fähre nach Mallorca rüber.

In das kleine Städtchen 100km nördlich von Barcelona, kommen all diejenigen, die perfekte Trainingsbedingungen mit Sonne, Ruhe und einer Temporeduzierung im Alltag kombinieren wollen. Athleten, die auch gerne ein Glas Rotwein trinken oder mal eine viertel Stunde später losfahren, als geplant, weil der Kaffee gerade so gut geschmeckt hat.

Versteht mich nicht falsch. Ambitioniert kann man hiertrotzdem trainieren. Es ist garantiert immer jemand da, der einen fordern kann. Beim Schwimmen, Radeln oder Laufen.

Girona Quick Check

Schwimmen:

  • Geige – 50 Meter Pool. Im Sommer Outdoor.

Radfahren:

  • Banyoles Loop and See für lockere Tage – 45km

  • Küstenrunde fürs Herz und super Training – 115km
  • St. Hilari für wiederholte Intervalle am Anstieg (20km relativgleichmäßiger Anstieg und traumhafte Abfahrt) – 95km
  • Rocacorba – fürs Kräftemessen. Nach 25km Anfahrt geht es in den 10km Anstieg mit fast 9% Anstieg im Schnitt. Hier heißt es Attacke und oben die Aussicht bis zum Meer geniessen. – 70km
  • Mare del Deu de Mont – der längere Tag mit dem vielleicht schönsten Anstieg in der Region – 140km
  • Rosas, Cadaques, Port de La Selva, Banyoles – um die 200km auf der schönst möglichen Runde zu brechen. Lange Anstiege, traumhafte Küstenstädtchen und rasante Abfahrten.
  • …und das ist nur der kleine Auszug der vielen Radrunden.

Laufen:

  • Via Verde – flach geht es endlos auf einem festen Sandweg durch Wälder und Felder.
  • Els Angels – der Berg direkt hinter der Kathedrale. Hier treffen sich die Trailläufer in der Region aus gutem Grund. Hirn ausschalten, auf den Trail und einfach mal dahin fliegen.

Gym:

  • Punt Groc – Nichts Vornehmes, aber genau das, was Ausdauerathletenbrauchen. Von Jumpbox bis Freigewichte und Maschinen geht hier alles.

Cafes:

  • Coffee & Greens für guten Kaffee, super freundlichesPersonal und nette Atmosphäre (ach ja und deren Acai Bowl)
  • Buttercup für die beste Kaffeebohne in der Stadt. Nebenleckerem Essen und jede Menge Süßem, wird hier Nomad Kaffee aus Barcelona serviert. Hammer.
  • Espresso Mafia – für alle die der Ruf mehr interessiert, als der Kaffee. Das Personal ist super nett und Approachable Kaffee(gehört zu Mafia) ist der einzige lokale Röster. Geschmacklich aber leider nur ok.

Must-Dos in Girona

  1. Im Sonnenuntergang die Stadtmauer ablaufen. Egal ob Date Night oder nicht. Hammer.
  2. Ausflug an die Küste. Wer lieb fragt, dem verrate ich wo die 12 Meter Klippe zum springen ist.
  3. Ausflug nach Barcelona. Mit dem Renfe Schnellzug in 38 vom Girona Bahnhof. Dort auf jeden Fall Magnifico und Nomad Cafe besuchen.
  4. Red Bridge, Kathedrale (da kann man durchaus auch mal reingehen) und einfach durch die Alstadt schlendern.

4 Kommentare

  1. Sehr cool geschrieben – klingt irgendwie nach Girona für 2020 finde ich! Hoteltechnisch sucht man einfach vor Ort was oder gibts besondere Empfehlungen für Radfahrer/Sportler?

  2. Hallo ihr Girona Fans,
    ich habe in der Nähe von Girona ein Haus gekauft und habe im September 2018 wieder mit
    Triathlon Training angefangen, ich habe auch schon einige Radausfahrten gemacht aber richtig
    glücklich bin ich mit meiner Streckenwahl noch nicht, außerdem benötige ich mal eine Tipp wo das
    Schwimmbad in Geige ist.
    Vielen Dank für eine Antwort vorab.

  3. Jepp …
    … danke für den Bericht über meine Heimat 2.0 … zwar nicht Girona direkt … mehr an der Küste.
    Aber es trifft den Nagel auf den Kopf vor allem Dein Urteil über Menschen, die besser rüber nach Malle machen.

    Danke Dir … Elmar

  4. Ich suche Radsportler/Triathleten für ein Trainingslager in Girona März/April 2020 (Vorbereitung auf Ironman bzw. Burning for Kona 😉
    Falls Jemand Interesse hat bitte melden !

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