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Ironman 70.3 WM in Nizza: Die weltmeisterliche Radstrecke

Do legst di nieder! Die Radstrecke der Ironman 70.3 Weltmeisterschaft in Nizza ist einer WM aber sowas von würdig. Sie hat alles zu bieten, was das Triathletenherz begehrt – und sie wird am Ende über Sieg und Niederlage entscheiden. Verstecken kann sich hier niemand, so viel steht fest. Tamara und ich haben uns für den Streckencheck die neuen Cervélos geschnappt und wollen unsere gesammelten Eindrücke nun mit euch teilen. Die Einschätzung: Eine Strecke für Boliden, nicht für Bergflöhe.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten

Trügerisch: Der erste Blick aufs Profil der Radstrecke könnte vermuten lassen, dass der lange Anstieg, der am Col de Vence auf 962 Metern über dem Meer seinen Höhepunkt findet, der Genickbrecher für die Athleten wird. Das stimmt aber nur halb. Klar ist natürlich:

Wer sich hier abschießt, der hat verloren, bevor das Rennen so richtig angefangen hat.

Nach unserer Erkundungstour bin ich mir sicher, dass die zweite Hälfte der Radstrecke, wenn also quasi alle Höhenmeter bereits bewältigt sind, der viel wichtigere Part ist – und das sind schlechte Nachrichten für die Bergflöhe: Denn hier geht es vor allem darum massiv Power aufs Pedal zu bekommen. Kommt mal eben mit auf die Radstrecke, dann versteht ihr nämlich, warum ich so denke…

Streckencheck Ironman 70.3 WM Nizza: Halleluja!

Die ersten zehn Kilometer auf dem Rad sind so unspektakulär, dass es sich kaum lohnt mehrere Worte über sie zu verlieren. Auf der Promenade des Anglais geht es auf allerfeinstem Asphalt und topfeben am Meer entlang. Der Temporausch findet dann aber ein jähes Ende, genau dann nämlich, wenn die Strecke die Abbiegung nach Les Pugets einschlägt.

Recht geil, äh steil hier! Auf dem Bild halte ich das Rad waagerecht, an der Lücke unter dem Hinterrad kann man erkennen, dass es hier in Nizza durchaus steile Straßen gibt.

Nach dieser extrem steilen Kletterpassage überlege ich das erste Mal, welche Athleten hier wohl ihre Vorteile haben werden: Sicher nicht die kräftigen oder schweren Typen, eher die Leichtgewichte wie Patrick Lange oder Gustav Iden könnten hier direkt mal erste Akzente setzen.

Die Härte dieses ersten Abschnitts am Berg wird häppchenweise serviert, nach jedem Stich folgt eine dezentere Passage. Ein gefährliches Wechselspiel, das dazu verleiten kann immer einen kleinen Tick über seinem Limit zu fahren. Wieder Pluspunkte für Patrick und Gustav Iden, die hier entweder in der Spitzengruppe dabei sein werden oder möglicherweise sogar als Spitzenreiter unterwegs sein könnten.

Im weiteren Verlauf wird der Anstieg angenehmer und ich stelle fest: Das ist gar keine Strecke für Bergflöhe. Das ist der perfekte Kurs für richtige Drücker!

Plötzlich schießen mir Namen wie Sebi Kienle, Kristian Blummenfelt und Andi Dreitz in den Kopf. Von diesem Trio kann ich Blummenfelt noch am wenigsten einschätzen, aber dieses Terrain hier bei der Ironman 70.3-WM in Nizza scheint mir wie gemacht für Sebi und Andi.

Andi Dreitz: Mein Geheimfavorit

Mit jedem Meter, den ich mich weiter Richtung Gipfel des Col des Vence kämpfe, freue ich mich mehr auf das Rennen von Andi. Er ist einer, der trotz seines weltklasse Niveaus jedes Mal wieder unter dem Radar fliegt. Bisher war Sebi mein einziger Favorit für das Rennen, aber mir wird immer bewusster, dass Andi hier das größte Dark Horse im Feld ist.

Geschafft! Ich bin oben angekommen und stelle fest, dass ich viel mehr über das Rennen der Männer als über das Rennen der Frauen nachgedacht habe. Nicht weil mich das Frauenrennen nicht interessieren würde, sondern weil ich im Männerrennen mehr Action und Abwechslung erwarte. Bei den Damen hingegen erscheint mir der Verlauf des Rennens fast absehbar: Lucy Charles wird am schnellsten schwimmen, Daniela Ryf macht auf dem Rad Meter um Meter gut und übernimmt noch während des langen Anstiegs die Führung. Dahinter kämpfen Lucy Charles, Holly Lawrence und Ellie Salthouse um die Plätze auf dem Podium…

Tamara lag mir durchweg in den Ohren, wie schön es hier doch zum Radfahren sei. Für so etwas hatte ich aber keine Zeit, ich musste übers Rennen nachdenken.

Fast 35 Kilometer Anstieg am Stück

An dieser Stelle aber noch eine Besonderheit der Radstrecke: Etwa 1.300 Höhenmeter gilt es auf der 91 Kilometer langen Runde zu bewältigen. So gut wie JEDER dieser Höhenmeter wird zwischen Kilometer zehn und Kilometer 45 erklommen (ungefähr, nagelt mich nicht auf den Meter fest). Das ist schön und gut, aber wer glaubt das Gröbste sei nun geschafft – Pustekuchen.

Genau jetzt beginnt nämlich das eigentliche Rennen um den Sieg. Es könnte durchaus sein, dass sich die Leichtgewichte auf dem ersten Abschnitt der Strecke einen kleinen Vorsprung auf die anderen Athleten erarbeiten. Aber entscheidend wird sein, was danach passiert.

Ich wiederhole das gerne noch ein paar Mal, denn ich lege mich fest, dass auf den letzten 40 Kilometern der Radstrecke die Vorentscheidung auf den Sieg fällt.

Die Abfahrt würde ich als mäßig anspruchsvoll beschreiben. Es gibt eigentlich keine Stelle, die die Athleten vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Der Schlüssel zum Erfolg wird jedoch sein, wie hart und intensiv die Athleten auf den Bergab-Passagen fahren können. Hohe Wattzahlen aufs Pedal zu bekommen, wenn in Abfahrten die Geschwindigkeit steigt, kann unheimlich schwer und anspruchsvoll sein. Das wird der Moment sein, in dem Sebi, Andi oder auch ein Kristian Blummenfelt ihre Chance wittern und ergreifen werden.

Für die Athleten, die auf der ersten Hälfte noch ihre Gewichtsvorteile am Anstieg ausspielen konnten, wird es vor allem auf den letzten 15 Kilometern nochmal richtig haarig. Erst leicht wellig, danach nochmal komplett flach am Meer entlang, geht es zurück in die Wechselzone.

Prognose: Vorentscheidung auf dem Rad, keine Laufrekorde

Ein letztes Mal noch: Die Vorentscheidung auf den Sieg fällt auf der zweiten Hälfte der Radstrecke. Meine drei Kandidaten in der Hauptrolle sind Blummenfelt, Sebi und Andi. Gomez und Brownlee werden sich sicherlich gut präsentieren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie eine siegentscheidende Rolle einnehmen können – auch wenn ich mich damit weit aus dem Fenster lehne. Patrick als Doppel-Weltmeister und den hochgehandelten Gustav Iden sehe ich als Kandidaten für eine Podiumsplatzierung, ebenso den Belgier Pieter Heemeryck und den Amerikaner Rodolphe Von Berg.

Und wie gesagt, bei den Frauen holt sich Daniela Ryf den Titel. Holly Lawrence wird Zweite und Lucy Charles wird sich am Ende über Bronze freuen. Es ist wirklich schade, dass Laura Philipp nicht dabei ist – ihr hätte ich hier in Nizza Großes zugetraut. Ich freue mich schon darauf, wenn Laura und Anne Haug dann auf Hawaii fit an der Startlinie stehen.

So viel zu meinen Gedanken zum Rennen. Mag sein, dass das alles Quatsch ist und am Ende nix davon stimmt. Aber das schöne ist ja: Morgen beziehungsweise Übermorgen wissen wir schon mehr!

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