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Was ist ein Ermüdungsbruch

Was ist ein Ermüdungsbruch oder eine Stressfraktur?

Unter Sportlern immer wieder in aller Munde: Die Stressfraktur oder auch der Ermüdungsbruch. Das jüngste prominente Opfer: Jan Frodeno. Eine Stressfraktur im ISG (Iliosakralgelenk) im Bereich der Hüfte kostet ihm die Teilnahme an der Ironman WM 2018. Bitter! Doch was ist ein Ermüdungsbruch überhaupt genau? Ich habe einige Fragen dazu bekommen und kann sagen: Nein, für einen Ermüdungsbruch muss man nicht die Treppe runter fallen.

Jan Peiniger von Pushing Limits
Jan Peiniger Stillstand ist Rückschritt
14. September 2018 Gesundheit Kona 2018 Training

Definition: Der Ermüdungsbruch und der Spezialfall Stressfraktur

Bevor man sich mit dem spezielle Verhältnis von Sportlern zum Thema Ermüdungsbruch beschäftigt, sollte man sich erst einmal der grundlegenden Definition zuwenden:

So entsteht ein Ermüdungsbruch:

Ein Ermüdungsbruch entsteht durch eine langfristige, sich ständig wiederholende Belastung des betroffenen Knochens. Im Gegensatz zu einem akuten Bruch ist die einzelne Krafteinwirkung auf den Knochen deutlich zu gering, um ihn brechen zu lassen. Durch die Akkumulation von vielen Belastungen und Kombination mit zu geringer Knochenregeneration entstehen so nach und nach kleinste Risse und Spalten im Knochengewebe.

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem der Knochen bricht oder sich der Schmerz, der durch den Bruch verursacht wird zum ersten mal deutlich spürbar ist. Dafür ist kein besonderes Ereignis notwendig, das kann jederzeit im „langweiligen“ Alltag passieren.

Daher kurz und knapp: Der Knochen wird so lange ermüdet, bis er nicht mehr anders kann, als zu brechen.

Die Stressfraktur: Die Form von Ermüdungsbruch, die für Sportler eine Rolle spielt

Man spricht von einer Stressfraktur, wenn es sich bei dem gebrochenen Knochen grundsätzlich um einen gesunden Knochen handelt, es also keine grundsätzliche Erkrankung des Knochengewebes vorliegt. Bricht er erkrankter Knochen, spricht man daher von einer Insuffizienzfraktur.

Da wir Sportler in der Regel sehr gesunde und stabile Knochen vorweisen können, sprechen wir in diesen Fällen also von einer klassischen Stressfraktur.

Die Sportler und der Ermüdungsbruch: Eine leidige Geschichte

Nun ist Jan Frodeno bei Weiten nicht der einzige Sportler in dessen Zusammenhang man von einem Ermüdungsbruch liest. Dafür muss man oft nichtmal in die Welt des Profisports schauen. In durchaus einigen Freundes- und Bekanntenkreisen in denen sich Sportler tummeln fällt irgendwann der Begriff.

Wo tritt ein Ermüdungsbruch am häufigsten auf?

Grundsätzlich kann ein Ermüdungsbruch natürlich in jedem Knochen auftreten. Bei Sportlern anfällig oder prädestiniert sind natürlich die Knochen, auf die im Training und im Wettkampf besonders hohe und andauernde Kräfte wirken. Mir kommt daher besonders oft die Stressfraktur im Mittelfuß zu Ohren. Ein Bruch im ISG, wie jetzt bei Jan Frodeno, ist mir selbst bis dato noch nicht zu Ohren gekommen. Das mag aber auch daran liegen, das der Volksmund eher von einem Ermüdungsbruchs des Beckens spricht, und diese Form ist mir durchaus häufiger schon begegnet.

Auch schon gehört habe ich allerdings von Ermüdungsbrüchen in den Rippen, der Wade, dem Schienbein, dem Oberschenkel, sowie im Schulterbereich.

Sprich: Ein Ermüdungsbruch kann wirklich überall auftreten, tut es aber bei Sportlern schwerpunktmäßig in der unteren Körperhälfte.

Was machen Sportler falsch?

Führt man sich noch einmal vor Augen, wie ein Stressfraktur entsteht, dann kann man sich schnell denken, welche Ursachen so ein Bruch haben kann:

  1. Dauerhaftes zu intensives Training
  2. Zu geringe Pausen- und Regenerationszeiten
  3. Dauerhaft zu wenig Schlaf
  4. Schlechte, nährstoffarme Ernährung
  5. Vitamin-D Mangel
  6. Fehlbelastung durch falsche Bewegungsabläufe
  7. Trainieren trotz Schmerzen
  8. etc…

Kurz und knapp: Übertreibt man es dauerhaft und vernachlässigt man seine Regeneration, dann ist das Risiko irgendwann eine Stressfraktur zu erleiden natürlich gesteigert.  Dabei geben wir Sportler durchaus ein recht trauriges Bild ab:

Hinter 70 Prozent aller Stressfrakturen stecken Leistungs- und Laufsportarten. Insgesamt machen Stressfrakturen 20 Prozent ALLER Verletzungen in der Sportmedizin aus.

Das… liebe Leute… ist f****** crazy! Lasst das mal sacken.

Der Sonderfall Profisportler: Training und Leistung an der Grenze des Möglichen

Profisportler stehen in der Hinsicht sicherlich vor einer besonders großen Herausforderung. Willst du Weltspitze sein, dich mit den besten messen und dich im Bestfall sogar als der oder die Beste durchsetzen, dann musst du im Training und auch im Wettkampf an deine absoluten Grenzen gehen.

Doch wie weiß man denn wo genau diese Grenze liegt? Dazu kommt, dass diese Grenze ja kein statisches Gebilde ist, sie hängt von unendlich vielen Faktoren ab und dann ist ja Training nicht gleich Training. Noch da oben drauf kommt, dass die Entstehung einer Stressfraktur ja kein sofortiges Feedback in Form von Schmerzen gibt. Irgendwann ist sie einfach da und dann ist es zu spät.

Fakt ist: Es ist ein schwieriger Balance-Akt – der vor allem an der Weltspitze des Profisports, bei der man sprichwörtlich nahezu immer auf der Rasierklinge tanzt – ein echtes Meisterstück. Wer sich immer an der Grenze bewegt, der nimmt natürlich die Gefahr in kauf das ein oder andere Mal drüber zu treten.

Die Diagnose: Wie erkennt man einen Ermüdungsbruch?

Hat man nun im Fuß, der Hüfte oder in einem sonstigen Bereich Schmerzen, die man nicht direkt zuordnen kann, dann gilt es herauszufinden, ob diese nicht eventuell auf einen Ermüdungsbruch zurückzuführen sind. Oft ähneln die Schmerzen, die durch eine Stressfraktur entstehen, rheumatischen Beschwerden die gerne eine ganze Zeit lang ignoriert werden.

Hat man den Weg zum Arzt geschafft, dann hat dieser die größten Chancen die Fraktur zu erkennen, mittel Röntgen, CT oder MRT. Die beste und erfolgversprechendste Methode ist die Magnetresonanztomographie – kurz MRT.

Ergänzend dazu kann eine Laboruntersuchung des Blutes mit Blick auf Entzündungsmarke vorgenommen werden. Tiefer will ich hier aber auch nicht abtauchen, denn am Ende ist klar: Geh mit deinen Beschwerden auf jeden Fall zum Sportmediziner deines Vertrauens!

Wieder Sport machen: Wie lange dauert die Heilung einer Stressfraktur?

Ist das Kind in den Brunnen gefallen, dann gilt es natürlich den betroffenen Knochen  ruhig zu stellen, eventuell ihn aber auch erst wieder zu richten. Je nach Schwere des Ermüdungsbruches ist somit von „ein paar Wochen Krücken“ über einen Gips bis hin zur Operation alles möglich. Auf keinen Fall sollte man da selber rumspekulieren, sondern auf den Arzt seines Vertrauens hören oder auch die Meinung von mehreren Ärzten einholen.

Weiß man woran man ist, dann liegt eine typische Heilungsdauer irgendwo zwischen vier und acht Wochen. Jan Frodeno gibt an, hoffnungsweise in circa sechs Wochen wieder ins Lauftraining einsteigen zu können.

Man sieht also: Ein Ermüdungsbruch ist keine Kleinigkeit sondern ein schwerwiegendes Krankheitsbild. Man lässt es also am besten garnicht erst soweit kommen.

Wie kann man einem Ermüdungsbruch vorbeugen?

Ich kann von mir stolz sagen: Ich hatte bisher noch keinen Ermüdungsbruch und habe auch nicht vor mir jemals einen zuzuziehen. Als Hobby-Leistungssportler bin ich wahrscheinlich auch keinem ganz so großen Risiko ausgesetzt wie ein Profiathlet aber dennoch ist es meine eigene Aufgabe und Verantwortung, meinen Körper auf eine Art und Weise im Blick zu haben, die eine optimale Regeneration auch während intensiven Trainingszeiten ermöglicht.

Worauf ich achte und was ich tue:

  1. Ausreichend Regenerationszeiten einplanen
  2. Viel und gut Schlafen
  3. Nährstoffversorgung im Blick haben und ggf. supplementieren
  4. Trainingssteuerung durch einen guten Trainer
  5. Stressmessung (HRV) und Management
  6. Viel Bewegung in Form von Spaziergängen im Alltag

Ich denke alles recht naheliegende Dinge. Eine besonders wichtige Rolle spielt für mich allerdings mein Trainer. Gut, das Training für die Ironman-Distanz im Triathlon ist sicherlich auch sehr spezielles Feld, aber es hilft mir sehr dort jemand Erfahrenen zu haben, der mich auch mal über die Trainingssteuerung etwas bremst.

Weitere Ressourcen zum Thema:

Kona Special

Dieser Artikel ist Teil unseres Kona-Digital-Specials zur Ironman Weltmeisterschaft. Strecken, Athleten, Equipment und Geschichten von der Insel:

zum Special

1 Kommentare

  1. Ich hatte vor 1 Jahr eine Stressfraktur am Kreuzbein. Die Ärzte schmettern ihre Standardsätze raus: „das kann viele Ursachen haben“.
    In einer Ortho-Zeitschrift habe ich jetzt 2 Faktoren für mich rausgesucht, die die Tatsache aber nun mal nicht ändern (wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist):
    Ich bin ins Leere getreten und habe eine Schilddrüsenüberfunktion.
    Oder wie der Kölner sagt: „et es wie et es“ … aber da kann der Düsseldorfer ja nicht mitstinken 😉

    Danke für die tollen Berichte. Macht Ihr echt cool !

    Bleibt gesund!

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