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Bocki beim Triathlon Ingolstadt: Was war da los?

Ich war heiß auf die Mittel-Distanz beim Triathlon Ingolstadt, gut vorbereitet und auch die Tage vor dem Wettkampf verliefen vielversprechend. Am Ende kam es dann aber leider anders als geplant. Ein Bericht über mein Rennen und mein Werteverständnis im Sport.

Niclas Bock von Pushing LimitsNiclas Bock
Ehrlich währt am längsten
10. Juni 2018 Blog MindOverBody

Triathlon Ingolstadt: Fast perfekter Start in den Tag

7:35 Uhr Wettkampfbesprechung: Der Moderator erklärt die Strecken. Schwimmen, eine Runde. Kapiert. Radfahren, zwei Runden. Auf der ersten Runde müssen zwei Wendepunkte angesteuert werde, auf der zweiten Runde nur noch der erste, der zweite soll ausgelassen werden. Kapiert. Laufen, vier Runden. Kapiert.

7:45 Uhr Einschwimmen: Noch knapp 15 Minuten bis zum Start, ich springe in den See und schwimme mich ein. Fühlt sich alles gut an und ich freue mich, dass es gleich endlich losgeht. Dass der Moderator sich zwischenzeitlich wieder zu Wort gemeldet, sich korrigiert und entschuldigt hat bekomme ich währenddessen natürlich nicht mit: Beim Radfahren müssen auf beiden Runden beide Wendepunkte angefahren werden!

8.00 Uhr Startschuss: Im Wasser läuft es ganz gut. Vorne macht sich Überschwimmer Lukasz Wojit auf den Weg an die Spitze. Mit etwas Abstand dahinter Youngster Frederic Funk, an dritter Stelle, ebenfalls allein unterwegs, Sebastian Mahr aus Ingolstadt. Ich schwimme als Vierter auch alleine, mit deutlichem Abstand nach vorne und nach hinten. In dieser Reihenfolge verlassen wir auch das Wasser und springen aufs Rad.

Rennverlauf und das Missgeschick

Ganz vorne kündigt sich bald der Führungswechsel an. Frederic Funk ist on fire und setzt sich an die Spitze. Ich bin mittlerweile auf dem dritten Platz angekommen und knabbere Sekunde um Sekunde von meinem Rückstand auf den Zweitplatzierten, Lukasz Woijt, ab und komme ihm langsam, aber stetig näher. Der Abstand zu Frederic bleibt unverändert – keine Chance ihm näher zu kommen!

Am Abzweig zum zweiten Wendepunkt auf der zweiten Runde – es muss bei knapp unter 70 Kilometer gewesen sein – kam es dann, wie es kommen musste: Ich fuhr vorbei. Einige Zeit später erkannte ich am Kilometerschild, das am Streckenrand stand, dass da etwas nicht stimmen konnte. Der Unterschied von Schild und der Distanz auf meinem Tacho betrug etwa vier Kilometer und mir wurde relativ schnell klar, dass ich es vermasselt habe.

Als mein Tacho 80 Kilometer zeigte nährte ich mich dem Penalty-Zelt, das wenige Kilometer vor Ende der Radstrecke aufgebaut war. Ich hielt an und berichtete den Kampfrichtern von meinem Fehler. Schnell war klar: Den zweiten Wendepunkt hätte ich auf der zweiten Runde nicht auslassen dürfen. Also ja klar, ich nehme das absolut auf meine Kappe.

Ich habe es beim Einschwimmen nicht mitbekommen und da ich ohne Support und Begleiter nach Ingolstadt gereist war, hatte ich auch niemanden, der mir die Info noch kurz vor dem Start hätte geben können. Ich habe die Radstrecke wirklich nach bestem Wissen und Gewissen in Angriff genommen und umso größer war natürlich der Frust – vor allem über mich selbst.

Ihr könnt euch vorstellen, wie gerne ich den Kampf um Platz zwei oder drei bis zur Ziellinie ausgefochten hätte. An den deutlich überlegenen Frederic Funk wäre auch an meinem besten Tag kein herankommen gewesen. Riesen Respekt und Glückwunsch zu der beeindruckenden Leistung und dem Sieg in Ingolstadt. Hut ab!

Zwei Optionen, wovon eine gar nicht in Frage kam

Nun boten mir die Kampfrichter zwei Möglichkeiten an: Entweder ich werde wegen abkürzen der Strecke disqualifiziert – was auch richtig gewesen wäre. Oder ich fahre wieder zurück und rolle über die Zeitmessmatte am verpassten Wendepunkt.

Was habe ich gemacht? Ich bin aufgestiegen, zurückgefahren und hatte am Ende anstatt der ausgeschriebenen 86 Kilometern knapp 115 auf dem Tacho. Warum habe ich das gemacht?

Die einfachste und leichteste Entscheidung wäre sicher gewesen einfach auszusteigen, meine Sachen zu packen und nach Hause zu fahren. Aber ich wollte eben nicht die leichteste Entscheidung treffen, sondern meinen Fehler ausbügeln und dafür geradestehen. Außerdem hätte ich es mit meinem persönlichen Stolz nicht vereinbaren können ein „disqualifiziert“ in der Ergebnisliste hinter meinem Namen stehen zu haben. Und zu guter Letzt hat es, meinem Werteverständnis nach, auch etwas mit Respekt und Anstand gegenüber den anderen Jungs und Mädels zu tun, das Rennen fortzusetzen und es verdammt nochmal zu Ende zu bringen. Ich war ja selbst schuld.

Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich beim Penalty-Zelt stoppte war ich mit einer Leistung von 330 Watt normalized power (325 Watt average) unterwegs. Auch wenn ich mir davon nix kaufen kann, zeigt es mir doch, dass ich fit bin und die Folgen nach dem gebrochenen Arm und dem achtwöchigen Trainingsausfall hinter mir gelassen habe. Die „Extrarunde“ habe ich dann mit 260-280 Watt absolviert und somit versucht eine einigermaßen vernünftige Trainingseinheit für den Challenge Roth daraus zu machen.

Auch den abschließenden 20 Kilometer-Lauf habe ich noch in Angriff genommen und mit einer 3:48 min/km-Pace hinter mich gebracht. Da noch großartig aufs Tempo zu drücken hätte keinen Sinn mehr gemacht und vermutlich nur wertvolle Zeit in Hinblick auf Roth gekostet. So hoffe ich, dass die Regeneration einfach etwas schneller geht und ich noch eine richtig gute Trainingsphase bis Roth absolvieren kann.

Und für Roth wünsche ich mir nicht viel. Außer, dass einfach alles ohne unnötige Dummheiten funktioniert.

  • P.S.: Vielen Dank an Bastian Glockshuber, den ein ähnliches Schicksal getroffen hat und der sich für die Extrakilometer und den Lauf als Leidensgenosse angeschlossen hat.
  • P.P.S.: Entschuldigt bitte, dass es heute nicht das versprochene Bierchen gab. Dafür war meine Laune dann doch leider etwas zu angekratzt und ich wollte einfach so schnell es geht wieder nach Hause.
  • P.P.P.S: Es war eine große Freude so viele von euch zu treffen! Und all die netten Worte über Pushing Limits haben mich sehr gefreut! Auch die gutgemeinten Anfeuerungen auf der Laufstrecke weiß ich zu schätzen!

In diesem Sinne, bis bald!
Euer Bocki

2 Kommentare

  1. Wenn bei der Wettkampfbesprechung die Strecke falsch erklärt wird und Du beim Einschwimmen nichts mitbekommst, dann ist das doch nicht Deine Schuld. Übel sowas.

  2. Hallo Niclas,
    übel das ganze. Meiner allergrößten Respekt für diese Entscheidung. Ich durfte schon einmal die gleiche treffen und habe mich genau sowie wie du entscheiden, wofür ich auch viele Erklärungen abgeben durfte.

    Jetzt steht in der Ergebnisliste auch noch DNF bei dir. Bist du aus dem Zeitlimit gefallen, oder was ist da passiert?

    Viel Erfolg in Roth.

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