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Daniel Bloggt: Ironman 70.3-Premiere, es ist geschafft!

Meine erste Mitteldistanz war nach 06:05:14 Stunden Geschichte. Wie ich es mir vorgenommen hatte, überquerte ich die Ziellinie in Port Alcúdia bei bestem Wetter mit einem Lächeln. Zwischenzeitlich war mir dieses Lächeln des Öfteren abhanden gekommen, aber der Reihe nach.

Daniel Marx bei Pushing Limits
Daniel Marx #skyisthelimit

Nach einer kurzen Nacht ging es morgens um 06:30 Uhr mit Frau und Tochter im Shuttlebus Richtung Wechselzone T1. Aus dem Bus gestiegen erblickte ich meinen Vater, der bepackt mit Rucksack, Kamera und Fanshirt der Marke Eigenbau als absolute Überraschung spontan nach Mallorca eingeflogen war. Die Motivation und die Vorfreude waren damit am Siedepunkt angekommen.

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Ich machte mich danach nochmals auf zu meinem Bike. Beim Check-In am Vortag war leider die Schraube an meinem Getränkehalter an der Sattelstütze verschwunden. Die Idee sich im örtlichen Bike-Shop vor Ort noch eine Schraube zu besorgen, war leider nicht von Erfolg gekrönt. Drei Kabelbinder und eine ordentliche Portion schwarzes Klebeband sollten als Ersatzschraube genügen – so meine Theorie. Abschließend füllte ich meine Getränkeflaschen mit Wasser und einem Elektrolyte/Kohlenhydrate-Mix, noch ein paar Gels auf dem Oberrohr mit Klebeband befestigt, die beim Wechsel schnell in die Radtasche wandern sollten.

Schlag auf Schlag: Das Rennen rückt näher

Danach ging es in den Rennanzug und in den Neopren. Ab zum Strand: eine traumhafte Kulisse, seichtes und extrem klares Wasser. Ich machte noch ein paar Züge im Meer und bewegte mich nach der herzlichen Verabschiedung von meiner Familie Richtung Startbereich. Hier sollte man sich selbst in die Schwimmblöcke einteilen nach seiner zu erwartenden Schwimmzeit.

Die schnellsten Schwimmer waren im 25-Minuten-Block, ich sortierte mich realistisch mit wenig Druck bei 45 Minuten ein.  Um 07:55 gingen die ersten ins Wasser und danach dauerte es gefühlt eine halbe Ewigkeit bis der nächste Startblock sich bereit machen durfte. Ich hatte Zeit noch mehrmals den Strand auf- und abzugehen, einfach nur Warten ist nichts für mich. Nach über einer Stunde war es dann endlich soweit, der 45er-Block durfte sich in Reihen zu zehn Sportlern bereit machen. Dann ging alles wirklich schnell, Brille auf und nochmal kurz lockern: los geht’s ,die Rampe runter und ab ins Wasser.

Als Hallenbadkönig im offenen Meer

Die ersten 300m bin ich etwas zügiger angegangen, direkt in der Innenbahn einsortiert schwamm ich sauber in den Lücken und vermied größeren Kontakt zu anderen Athleten. Der freie Blick durch das Wasser auf den Meeresgrund gab mir als Hallenbadkönig ein heimisches Gefühl. Und schon ging es um die erste Wendeboje, ich hielt sauber meinen Rhythmus und hatte gute Laune. Ein Blick nach vorne zeigte mir, dass nicht weit vor mir schon die ersten aus dem Wasser stiegen, ich hatte keinerlei Zeitgefühl. Direkt neben mir wechselte ein Starter von Schwimmen ins Gehen, da ich deutlich kleiner war, gönnte ich mir noch ein paar Züge.

Nach den ersten zwei, drei Schritten schaute ich auf meine Garmin und dachte meine Kontaktlinse hätte einen Riss gehabt, da stand 35:45 Minuten – Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. Ich hatte mir 42:30 zugetraut und wenn alles grandios läuft und der Neopren einen Motor hat, würde ich vielleicht auch an die 40 Minutenmarke kommen, aber an die 35 Minuten? Niemals! Aber da stand es auf meiner Uhr – ab in die Wechselzone.

In der Wechselzone lief alles gut, ich fand mich gut zurecht. Ich kann euch lediglich sagen, dass es keine gute Idee ist, mit der Schwimmbrille um den Hals in Richtung meines Bikes zu rennen. Das kostet unnötig Zeit und spiegelt sich am Ende auch in einer T1 Wechselzeit von über 7 Minuten wieder. Man darf zwar nicht vergessen, dass die Wechselzone mit knapp 700m extrem lang ist, aber sieben Minuten ist echt zu langsam.

Radfahren nach Plan. Ne, Moment mal…

Auf dem Bike hatte ich den Plan bekommen die ersten 15 Minuten locker anzugehen und die 180 Watt nicht zu überschreiten. Gesagt, getan. Ich kam gut ins Rollen, lediglich das letzte verbleibende Gel, welches noch mit Klebeband am Oberrohr hing, ging mir bereits nach kurzer Zeit auf den Keks, da ich es auch mit viel Kraft nicht während der Fahrt entfernen konnte. Ich entschloss mich anzuhalten und das Gel zu entfernen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht erahnen, dass es nicht nur bei einer unfreiwilligen Pause bleiben würde.

Nach 22 Kilometern hatte das „Einfahren“ ein Ende gefunden, es ging hinauf zur Santuari de Lluc, knapp 600 Höhenmeter hoch. Ich kam sehr gut die Berge hoch, konzentrierte mich auf meine vorgegebenen Wattbereiche und meine konsequente Verpflegung mit Wasser, Gels und Elektrolyte.

Bocki hatte mir am Vorabend am Telefon noch gesagt, ich solle den Ausblick genießen und nicht zu sehr in meine Oberschenkel hören, die würden eh schreien, das sei maximal monoton. Mit kleinem Gang kam ich gut die Meter hoch und so waren es nur noch zwei Kilometer bis zum Gipfel, jetzt kam der Teil vor dem ich mehr Respekt hatte, die steilen Abfahrten.

Nach den ersten Kurven hatte ich den Respekt nicht verloren, aber das unwohle Gefühl verschwand, auch bei Geschwindigkeiten jenseits von 55 Km/h. Dennoch war es nicht selten, dass deutlich schnellere Fahrer an mir vorbeifuhren. Der Puls hatte die Abfahrt genutzt, um sich im Bereich von 110 BPM eine Pause zu gönnen, das tat nach dem Gipfelsturm sichtlich gut. Unten angekommen begann mein Radrennen: flache Radstrecke, guter Asphalt und faire Mitstreiter, die sich in aller Regel links einsortierten. In der Aero-Position fuhr ich 220-240 Watt und kam damit auf den geraden Stücken auf gute 40Km/h – ein tolles Gefühl.

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Der nächste Straßenabschnitt war leider noch nicht neu asphaltiert und es war anscheinend ein Schlagloch zu viel, sodass sich mein Getränkehalter im Aerolenker verabschiedete. Er hing nur noch am Gummiband. Die Gels, Salztabletten und der Inhalt hatten sich über die Straße verteilt, ich hielt an und befestigte den FC25 wieder mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln.

Die nächsten Schlaglöcher wurden langsamer umfahren, die Getränkehalterung an der Sattelstütze hatte sich auch gelöst, aber lediglich die Aerodynamik litt – Das war zu diesem Zeitpunkt eine meiner kleinsten Sorgen. Kurz vor Ende des Radsplits sprang mir noch meine Kette runter und so hatte ich meine drei Pausen voll. Nach 3:11 Stunden lief ich zähneknirschend in die Wechselzone T2. Mit der Zeit war ich relativ zufrieden, aber mein Bike und ich waren heute kein perfektes Duo und ich ärgerte mich über meine anscheinend nicht sorgfältige Vorbereitung und Testing meines Equipments.

Rasanter Start auf die Laufstrecke

Mund abputzen und auf das Laufen konzentrieren, das wird bei gut 26 Grad noch anstrengend genug. Den ersten Kilometer ging ich geplant langsam an und schaute akribisch auf meine Uhr, leider hatte ich diese Taktik bei zweitem Kilometer aus nicht erklärbaren Gründen vergessen. Auch das Zurufen meines Dads, ich solle etwas ruhiger starten, prallte an mir ab. Statt 5:50 Pace, stand da 5:05 min/Km auf der Uhr – viel zu schnell.

Ich nutzte jede Verpflegungsstelle um mich mit Wasser und Elektrolyte zu versorgen und pendelte mich bei 5:20/5:30er Pace auf den ersten zehn Kilometern ein. Dies war langsamer als mit meinem Coach geplant, aber ich hatte in den letzten Wochen gelernt ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln, welches mehr Wert ist als blanke Zahlen auf einer Uhr.

Ab Kilometer zwölf merkte ich, dass die Hitze mir deutlich mehr zusetzte und ich das Tempo nicht mehr halten kann. An der Getränkestation machte ich jetzt kurze Gehpausen und versorgte mich allumfänglich mit Wasser und kippte mir auch stets eine Flasche über die Cap.

Ab Kilometer 17 war es mir bewusst, dass die sechs Stunden Grenze am heutigen Tage für mich nicht mehr fallen wird.

Ich war kurz enttäuscht, aber dann sagte ich mir, dass ich ein Ziel hatte: Spaß an diesem Rennen zu haben.

Dieses Ziel verfolgte ich die letzten Kilometer und spätestens auf der Strandpromenade, auf der eine ausgelassene Stimmung herrschte, war das Grinsen wieder omnipräsent. Kurz vor der Ziellinie noch einmal mit der Family abgeklatscht und nach 06:05:14 war mein bis dato größtes Sporterlebnis Geschichte.

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Es war ein wunderschöner Tag, den ich niemals vergessen werde. Und mit Sicherheit wird es nicht meine letzte Mitteldistanz bleiben. Für den großen Sprung zur Langdistanz möchte ich mir noch Zeit lassen, bis dahin möchte ich mit meinem Bike auch ein perfektes Duo werden.

Als nächster Wettkampf steht die Sprintdistanz in Kamen auf dem Programm. Ich werde euch auch in den nächsten Wochen auf dem Laufenden halten.

#SkyistheLimit – euer Daniel

1 Kommentare

  1. Hallo lieber Daniel,
    Ich habe gerade deine Zeilen aufmerksam gelesen. Zunächst einmal möchte ich dir nochmals meinen Glückwunsch aussprechen. Ich verbeuge mich und ziehe den Hut. Als nächstes möchte ich dir sagen, dass dein „Bericht“ in mir viele Erinnerungen wach gerüttelt hat. Aus eigener Erfahrung, mein erster Marathon in Köln, weiss ich, wie schön und hilfreich es ist, die Familie in der Nähe zu haben. Die Menschen, die dich aus verschiedenen Gründen nicht begleitet haben, waren ganz ganz nah bei dir. Der Erfahrungs Austausch mit deinem vater (meinen Bruder Herz) wird dir sicherlich auch sehr gut getan haben.
    Abschliessend möchte ich dir alles Gute für dein weiteres Vorhaben wünschen. Der Weg ist das Ziel und mit einer Familie doppelt so schön.
    Fühl dich umarmt.
    Deine Patentante Geli

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