Triathlon
Ironman Hawaii 2026: Solche Dramen schreibt nur Kona
Ich habe das Rennen zu Hause auf der Couch im Stream verfolgt. Startschuss für die Profis war bei uns um 18:20 Uhr, die Siegerin lief kurz nach drei Uhr nachts ins Ziel. Dazwischen: Führungen, mit denen kaum jemand gerechnet hat, Krämpfe, Zusammenbrüche kurz vor dem Ziel und ein Sieger, für den es das erste und zugleich letzte Mal auf Hawaii war. Hier ist mein Rennbericht – und meine Tipps im Realitätscheck.
Zum ersten Mal seit 2019 sind Männer und Frauen wieder am selben Tag in Kona gestartet. Im Triathlon Chat hatte ich vorher gesagt: Das fühlt sich einfach richtig an. Dazu kamen harte Bedingungen: Regen und hohe Wellen beim Start in der Kailua Bay, Gegenwind hoch nach Hawi und ein schwülheißer Marathon.
Die Männer: Erster Start, erster Sieg
Vincent Luis schreibt das perfekte Ende
Aus dem Wasser kam eine große Spitzengruppe, vorne Marten Van Riel. Dann hat Jonas Schomburg das gemacht, wovon man in Kona träumt: Er ist früh auf dem Rad vorneweg gefahren und lag am Wendepunkt in Hawi in Führung. Auf dem Rückweg kamen die Krämpfe, er fiel aus den Top 10 – und hat sich mit einem Marathon in 2:41 Stunden noch auf Platz sieben zurückgekämpft. Bei seinem ersten Hawaii-Start.
Und dann war auf einmal Magnus Ditlev vorne. Schnellste Radzeit des Tages (4:06:47 Stunden), als Erster in die zweite Wechselzone, zur Hälfte des Marathons rund viereinhalb Minuten Vorsprung. Da hat Nils im Podcast richtig gut gecallt: Ditlev war sein Geheimtipp. Ich hatte noch gesagt, es würde mich sehr überraschen, wenn er in die Top 8 kommt. Nach dem Energy Lab fiel Ditlev ins Gehen, gut acht Kilometer vor dem Ziel lief Vincent Luis an ihm vorbei. Ins Ziel kam Ditlev nicht.

Kristian Blummenfelt lief zur Hälfte des Marathons noch zusammen mit Luis auf Platz zwei. Unfassbar, dass er danach noch so weit zurückfällt: Am Ende wurde er Achter. Gustav Iden bekam auf dem Rad eine Drei-Minuten-Strafe und ging rund neun Minuten hinter der Spitze auf die Laufstrecke. Mit dem schnellsten Marathon des Tages (2:36:58) kam er bis auf rund 40 Sekunden an Luis heran, doch auf der Palani Road, rund zwei Kilometer vor dem Ziel, zog Luis noch einmal weg. Platz zwei für Iden, Platz drei für Matthew Marquardt.
Für zwei meiner Tipps war der Tag früh vorbei: Sam Laidlow stieg nach wenigen Kilometern auf der Laufstrecke aus, Patrick Lange gab mit Krämpfen schon auf dem Rad in Hawi auf.
Und Vincent Luis? 37 Jahre alt, erst seine dritte Langdistanz, sein erster Start auf Hawaii – und der erste Franzose, der Kona gewinnt. Unfassbar. Dem Typen ist es mega zu gönnen. Ich mag den Athleten sehr, sehr gerne, er ist einfach unfassbar sympathisch.
Schon vor dem Rennen hatte er gesagt, dass Kona sein letztes Rennen wird. Direkt nach dem Ziel ließ er sich noch eine kleine Hintertür offen, bei der Siegerehrung am Sonntag hat er sein Karriereende dann unter Tränen verkündet. Erster Versuch, Sieg, Schluss: Das ist absolut Peak und als Abschluss einer Karriere einfach perfekt.
„It was 100 % worth it. But I won’t do it again.“
Vincent Luis im Ziel zum US-Magazin Triathlete
Die Frauen: Drama mit vertauschten Rollen
Ein Kilometer, der alles dreht

Lucy Charles-Barclay kam wie so oft als Erste aus dem Wasser, Taylor Knibb lag rund anderthalb Minuten dahinter. Auf dem Rad holte Knibb sie ein, danach tauschten die beiden mehrmals die Führung – bis Knibb sich auf dem letzten Teil der Radstrecke endgültig absetzte. Sie ging mit gut drei Minuten Vorsprung auf Lucy und knapp fünf Minuten auf Titelverteidigerin Solveig Løvseth auf die Laufstrecke. Lucy ist im Energy Lab ausgestiegen, fast an der gleichen Stelle wie im letzten Jahr.
Ab etwa Kilometer 23 wurde es für Knibb zäh: Sie ging an den Verpflegungsstellen und musste sich übergeben. Bei Kilometer 34 lief Løvseth an ihr vorbei, alles sah nach der Titelverteidigung aus. Und dann, rund einen Kilometer vor dem Ziel, ist Solveig zusammengebrochen. Sie stürzte mehrmals, Knibb lief an ihr vorbei und holte sich ihren ersten Ironman-WM-Titel. Løvseth stand wieder auf, ging den letzten Kilometer und kam lächelnd mit erhobenen Armen als Achte ins Ziel, wo sie Knibb erst einmal umarmte. Sie sei ein viel zu großer Wettkampfmensch, sagte sie danach, sie habe das Rennen einfach nicht aufgeben wollen. Wie krass ist das bitte?
Das Gleiche hatten wir letztes Jahr mit Taylor Knibb: Damals führte sie, brach gut drei Kilometer vor dem Ziel zusammen, und Løvseth zog vorbei zum Sieg. Diesmal genau umgekehrt. Solche Dramen, die schreibt eben nur der Ironman Hawaii. Das Rennen 2025 haben wir übrigens in Folge #155 aufgearbeitet.
Und was für eine geile Leistung von Laura Philipp! Sie kam seekrank als 30. aus dem Wasser, mehr als achteinhalb Minuten hinter der Spitze. Nach so einem Rückstand so bei sich zu bleiben und dann so eine Rad- und Laufperformance rauszuhauen: als Zehnte vom Rad, mit 2:50:43 der schnellste Marathon der Frauen und am Ende Platz zwei. Julie Derron schob sich trotz Drei-Minuten-Strafe rund 800 Meter vor dem Ziel noch auf Platz drei, Kat Matthews wurde Vierte.
Die Deutschen auf Big Island
Debüts, Drama und ein Podium

Aus deutscher Sicht:
- Laura Philipp: Platz 2 und Siegerin der Pro Series
- Jonas Schomburg: Platz 7 bei seinem Hawaii-Debüt, dazu Zweiter der Pro Series, nur 53 Punkte hinter Iden
- Jan Stratmann: Platz 15 in 8:07:19
- Frederic Funk: Platz 23 in 8:17:29
- Patrick Lange: Aufgabe auf dem Rad nach Krämpfen
Für Strati und Fred hatte ich mir die Top 10 gewünscht, Nils hielt die Top 15 für realistisch. Strati wurde Fünfzehnter. Wie sich die beiden das perfekte Kona-Rennen vorgestellt haben, hört ihr in der Aloha Edition.
Meine Tipps im Realitätscheck
Die Glaskugel war trüb
Vor dem Rennen haben Nils und ich im Triathlon Chat #206 unsere Tipps abgegeben. Bei den Männern lag ich sehr, sehr weit daneben:
| Mein Tipp | Athlet | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. | Kristian Blummenfelt | 8. |
| 2. | Sam Laidlow | ausgestiegen |
| 3. | Gustav Iden | 2. |
| 4. | Marten Van Riel | 36. |
| 5. | Jonas Schomburg | 7. |
| 6. | Patrick Lange | ausgestiegen |
Vincent Luis hatte ich immerhin als Überraschung auf dem Zettel: Top 10 auf jeden Fall, mit einem cleveren Rennen vielleicht sogar Podium. Und Matthew Marquardt hatte ich selbst ins Spiel gebracht, bis Nils ihn mit „zu unökonomisch“ für Kona abgewunken hat. Platz drei. Nils lag mit Iden als Sieger knapp daneben und hatte mit Ditlev als Geheimtipp den Mann, der das Rennen bis acht Kilometer vor dem Ziel angeführt hat.
Bei den Frauen sah es besser aus:
| Mein Tipp | Athletin | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. | Solveig Løvseth | 8. |
| 2. | Taylor Knibb | 1. |
| 3. | Laura Philipp | 2. |
| 4. | Kat Matthews | 4. |
| 5. | Lucy Charles-Barclay | ausgestiegen |
| 6. | Julie Derron | 3. |
Kat Matthews genau auf Platz vier und alle drei vom Podium in meinen Top 6. Meine Siegerin Solveig Løvseth lag bis einen Kilometer vor dem Ziel vorne. Nils hatte Lucy auf eins – und Julie Derron punktgenau auf drei.
Und für wen ich mich am meisten freuen würde, hatte ich im Podcast auch gesagt: Gustav Iden und Laura Philipp. Beide wurden Zweite – und beide haben sich mit Kona die Gesamtwertung der Ironman Pro Series gesichert.
Ergebnisse Ironman Hawaii 2026
Wer auf Big Island Geschichte schrieb
Männer
| Platz | Athlet | Zeit |
|---|---|---|
| 1. | Vincent Luis (FRA) | 7:47:27 |
| 2. | Gustav Iden (NOR) | 7:49:03 |
| 3. | Matthew Marquardt (USA) | 7:49:59 |
| 4. | Gregory Barnaby (ITA) | 7:51:02 |
| 5. | Pierre Le Corre (FRA) | 7:53:29 |
| 6. | Sam Long (USA) | 7:55:21 |
| 7. | Jonas Schomburg (GER) | 7:56:42 |
| 8. | Kristian Blummenfelt (NOR) | 7:58:07 |
| 9. | Youri Keulen (NED) | 7:58:26 |
| 10. | Menno Koolhaas (NED) | 7:58:55 |
Frauen
| Platz | Athletin | Zeit |
|---|---|---|
| 1. | Taylor Knibb (USA) | 8:36:29 |
| 2. | Laura Philipp (GER) | 8:39:34 |
| 3. | Julie Derron (SUI) | 8:46:25 |
| 4. | Kat Matthews (GBR) | 8:49:38 |
| 5. | Imogen Simmonds (SUI) | 8:51:44 |
| 6. | Lisa Perterer (AUT) | 8:52:54 |
| 7. | Hannah Berry (NZL) | 8:59:41 |
| 8. | Solveig Løvseth (NOR) | 9:02:09 |
| 9. | Anne-Sophie Pierre (FRA) | 9:03:49 |
| 10. | Grace Thek (AUS) | 9:06:37 |
Inoffizielle Zeiten, Stand 12. Oktober 2026.
Wie es weitergeht
Kona geht in die Verlängerung
Für uns ist Kona noch nicht vorbei: Es kommen zwei neue Folgen. Fred und Strati erzählen, wie ihr Rennen auf Big Island gelaufen ist, und am Freitag, 16. Oktober, analysieren Nils und ich im Triathlon Chat das ganze Rennen.
Bis dahin gibt es unsere Tipps zum Nachhören im Triathlon Chat #206: Laidlow ohne Podium? Unsere gewagten Hawaii-Tipps. Immerhin: Der Titel hat gehalten. Und wer selbst einmal in Kona an der Startlinie stehen will: Was der Mythos als Teilnehmer kostet, haben wir hier durchgerechnet.
Titelbild: Timotheus Kredel
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