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Kona calling: Der harte Weg zur Hawaii-Qualifikation

Eine Woche ist seit dem IRONMAN Frankfurt vergangen. Es war ein unvergesslicher Tag, nicht nur für viele, viele Triathleten, sondern auch für meine Freundin – und mich. In Frankfurt habe ich gesehen wie es ist, wenn ein Traum in Erfüllung geht: Tamara wollte nach Hawaii und sie hat es geschafft! Ich habe in den Monaten zuvor aber auch gesehen wie hart und anstrengend der Weg dorthin war. Ein Rückblick.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
14. Juli 2018 Kona 2018

Was verrät der Blick in die Ergebnisliste? Tamara Hitz, 1. Platz in der Altersklasse 25-29, 9:51:51 Stunden und 10. Frau insgesamt. Ach ja: Das war Tamaras erste Lang-Distanz. Was der Blick in die Ergebnisliste jedoch nicht verrät ist wie sie das geschafft hat. Und weil ich es monatelang, Woche für Woche, Tag für Tag mitbekommen habe, möchte ich gerne darüber berichten. Vielleicht auch, weil es meinen Respekt vor der unfassbaren Leistung aller Age Grouper zum Ausdruck bringt.

Unvergleichbar: Profi vs. Amateur

Seit ich mich im letzten Sommer dazu entschlossen habe nochmal meinen vollen Fokus auf den Sport zu legen, kann ich meinen Alltag zu 90-95 Prozent nach dem Training planen. Ich habe ausreichend Zeit fürs Training, für die Vor- und Nachbereitung, für Mittagsschlaf, für gutes Essen und so weiter. Tamara bildet dazu das exakte Gegenteil: Fulltime-Job, unkalkulierbarer Tagesablauf, kaum Zeit für Entspannung.

Ihre Vorbereitung hat bereits vor Monaten begonnen. Als es hier im Allgäu noch den ganzen Tag kalt und dunkel war. Seit November ist sie im Schnitt drei Mal pro Woche um 5:30 Uhr ins Wasser gesprungen, um ihr Schwimmtraining zu absolvieren, anders wäre es nicht möglich gewesen.

Eine Mittagspause, die sie für eine Trainingseinheit nutzen könnte, gab es nur selten, vielleicht vier oder fünf Mal. Und abends – egal um wie viel Uhr der letzte Kundentermin stattgefunden hat – ist sie laufen gegangen (zur Not auf dem Laufband) oder auf die Rolle gesprungen. An den Wochenenden standen die langen Einheiten auf dem Plan, stundenlang Laufen und Radfahren. Alles für das große Ziel: Das Finish ihrer ersten Lang-Distanz, Hawaii höchstens im Hinterkopf.

Ein Ziel ist ein Traum mit einem Weg

Nils-Goerke-Tamara-Hitz

Ihr Coach Nils Goerke hat ein extrem gutes Händchen dafür, wie man aus wenig Zeit das Meiste herausholen kann. Der Trainingsaufwand, den er geplant hatte, lag bei realistischen 12-14 Stunden. Im Trainingslager (Tamara war mit einigen Freunden im März für zwei Wochen auf Mallorca, sonst nur daheim) natürlich etwas höher. Ansonsten lag die Herausforderung aber darin Arbeit, Alltag und Training unter einen Hut zu bringen.

Wenn ich über die letzten Monate nachdenke, dann schüttele ich immer noch ungläubig den Kopf. Hätte ich auch nur eine Woche versucht das Arbeits- und Trainingspensum von Tamara auszuhalten, wäre ich daran gescheitert. Und das, was sie geleistet hat, steht ja nur exemplarisch dafür, was ein Großteil aller Age Grouper auch leistet. Bei ihr bekomme ich es halt hautnah mit. Liebe Triathleten, ihr seid der Wahnsinn!

Da ist aber noch was…

Eine Sache jedoch, die zeigt wie krank unsere Gesellschaft mittlerweile denkt, möchte ich aber noch loswerden. Nach ihrem Zieleinlauf und bei der Siegerehrung am Montag nach dem IRONMAN Frankfurt kamen jede Menge Leute zu Tamara, die ihr sehr herzlich und ehrlich zu ihrem Erfolg gratuliert haben. Allerdings immer mal wieder mit Kommentaren wie „ja, da hat die Selbstständigkeit schon ihre Vorteile, wenn man immer so viel trainieren kann.“

Das klingt ein bisschen so, als hätten all diese Leute auch solch eine Leistung erbracht – wenn sie doch nur die Zeit dafür hätten. Bullshit! Zeit ist genau das Gut, von dem Tamara am wenigsten zur Verfügung hat. Das wissen ihr Coach, ihre besten Freundinnen und ich. Falls sich manche Leute wundern, wie sie das alles geschafft hat, dann wäre es vielleicht der richtige Schritt zu fragen: Wow, wie hast Du das bloß hinbekommen? Denn auch das ist etwas, dass Tamara sicher von vielen anderen unterscheidet: Nicht ein einziges Mal hat sie in der Vorbereitung gejammert oder gemuckst oder gesagt: „Ach es wäre alles besser, wenn ich doch nur mehr Zeit fürs Training haben würde.“

Mir ist klar, dass es mittlerweile super viele Triathleten und Triathletinnen im Amateur-Bereich gibt, die unter profi-ähnlichen Bedingungen leben und trainieren. Tamara gehört nicht dazu, auch wenn es ihre Leistung nicht vermuten lässt.

Mit diesem Blog ziehe ich meinen Hut vor allen Triathletinnen und Triathleten, die manchmal nicht wissen, wie sie all ihren Anforderungen gerecht werden sollen und die es am Ende doch schaffen! Ihr seid die wahren Helden unseres Sports!

3 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag zu dem immer härter werdenden Weg nach Kona. Das Statement am Ende ehrt alle Agegrouper die es versuchen und es auch schaffen.

  2. Sehr schön geschrieben und Gratulation an Tamara! Die Menschen sehen immer nur das, was sie sehen wollen und was man für solch einen Traum leisten muss und ggf. eben auch das ein oder andere Opfer bringen muss, das wollen die Menschen eben manchmal leider nicht sehen. Respekt Tamara, mach weiter so!

  3. Glückwunsch an Tamara! Und auf Hawaii nochmal deutlich schneller gewesen, wenn ich da richtig informiert bin. Unglaublich! Respekt! Ich habe dieses Jahr auch meine erste Langdistanz in Frankfurt absolviert, es war ein grandioses Erlebnis. Die Bedingungen in der Vorbereitung waren ganz ähnlich zu denen von Tamara. Durch den Artikel habe ich das für mich auch nochmal Revue passieren lassen und freue mich sehr über das Kompliment, dass dieser Artikel mir damit macht! Vielen Dank! Ich freue mich auf die nächste Langdistanz-Vorbereitung, die in nicht all zu ferner Zukunft startet.

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