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Rookie-Report – Ist diese Angst vor dem ersten Triathlon eigentlich normal?

05. August 2021


Triathlon Anfänger

In gut zwei Wochen steht Rookie Lena zum ersten Mal an der Startlinie eines Triathlons – wenn sie bis dahin nicht vor lauter Angst verrückt geworden ist. Denn je näher der Tag rückt, desto größer wird der Respekt vor der Nummer. Alles ganz normal, oder?

„Wir setzen den Alpsee wieder in Flammen: Der Allgäu Triathlon 2021 findet statt!“ – das ist der Betreff der Mail, auf die ich eigentlich lange gewartet hatte. Jetzt wird es also ernst. Und das realisierte ich an diesem Montag Ende Juli zum ersten Mal so richtig. Statt mit Erleichterung besagte Mail zu lesen, war meine spontane Reaktion darauf die folgende: „Shit!“ Insgeheim hatte ich irgendwie gehofft, dass es anders kommen würde. War doch eigentlich ganz komfortabel in dieser Dauer-Rookie-Position.

Ich legte das Handy schnell zur Seite, warf meinen Laufschuhen einen skeptischen Blick zu und tat so, als würde mich das alles nicht nervös machen. Ging aber nicht. Seitdem ist es da, das Lampenfieber. Oder sollte ich besser sagen: die Panik?

Rookie am Rande des (Alltags-)Wahnsinns

Das unsanfte Landen auf dem Boden der Wettkampf-Tatsachen ist mit Blick auf die vergangenen Wochen kein Wunder. Wenn ich ganz ehrlich bin, lief zuletzt nämlich nichts nach Plan. Und mit nichts meine ich gar nichts. Kaum eine Woche konnte ich so durchziehen, wie sie meine Trainerin Daniela Bleymehl geplant hatte. Mann ey, ist mir das unangenehm, dass ich so wenige ihrer Ideen in die Tat umsetzen konnte, zumal sie für mich eine so wichtige Person ist!

Ständig kam etwas dazwischen und planbar war nichts mehr. Aus den ohnehin wenigen Stunden Training wurden noch weniger Stunden. Ein Test-Sprint-Triathlon in Eigenregie platzte, weil ich mich am Tag davor mit der Vorbelastung und ohne sinnvolle schon abgeschossen hatte. Das erste Rennen am Schliersee wurde abgesagt. Der Alltagsstress tat sein Übriges. Ekelhafte Rückenschmerzen kosteten mich mindestens eine Trainingswoche, Familienbesuche standen plötzlich wieder an und auch die ersten Wochenendtouren raubten die Zeit für strukturiertes Training. In der App ist mein Trainingswert mittlerweile auf einem historischen Tief. Und so soll ich jetzt einen Triathlon ins Ziel bringen? Nicht mein Ernst.

  • Und sonst so?
    Bocki und Nick klären im Triathlongelaber, was in den nächsten Wochen so ansteht

Bin ich wirklich bereit für meinen ersten Triathlon?

Dabei war das doch alles ganz anders gedacht. Erst wurden die Trainings-Blöcke spezifischer, dann konnte – nach acht endlosen Monaten – endlich wieder das Schwimmen auf dem Plan stehen. Und spätestens nachdem ich das erste Mal einen Triathlon miterleben durfte, war die Motivation größer denn je. Was ist nur passiert, dass mich jetzt so die Angst einholt? Ist das normal, so zwei Wochen vor dem Stichtag? Und ist die Angst begründet?

Naja, vielleicht hilft ja ein Blick auf das, was mir die stahlharten Dauer-Rookie-Nerven raubt. Und das sind spannenderweise gar nicht die vermeintlich obligatorischen Anfänger-Fehler. Dass ich den Wechsel problemlos hinbekomme, eine neue persönliche Bestzeit aufstelle, beim Radfahren die Leute einsammle oder das Laufen ohne Gehen hinbekomme, erwarte ich gar nicht von mir. Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass mir für all das die Erfahrung fehlt und ich von Wahnsinns-Leistungen meilenweit entfernt bin. Sollte mir irgendetwas davon passieren, kann ich das guten Gewissens damit erklären. Mich beunruhigen ganz andere Punkte. Ich fasse zusammen:

Vor dem ersten Triathlon: Ich habe Angst, dass …

  1. … am Ende ein DNF hinter meinem Namen steht. Vor allem vor dem Hintergrund meiner wahnwitzigen neuen Idee, mich für einen 70.3 anzumelden, wäre das schließlich fatal. Wenn ich nämlich nicht mal eine Olympische Distanz finishen kann, wie bescheuert wäre es dann, sich für eine Mitteldistanz anzumelden?
  2. … mir irgendwas Peinliches passiert. Sich übergebende Leute und allgegenwärtige Magenprobleme sind bei Ausdauersportveranstaltungen bis hin zu Olympia ja keine Seltenheit. Und sie sind auch überhaupt nicht schlimm – solange sie einen nicht selbst betreffen. Gott, wäre mir das peinlich! Schließlich schauen mir dann ja auch alle anderen Agegrouper zu, da ich vermutlich eh als Letzte ins Ziel komme.
  3. … ich völlig überpace. Freunde, ich mach hier ja einen ordentlichen Seelen-Striptease, aber eigentlich bin ich schrecklich ehrgeizig. Ich überschätze mich gerne mal selbst. Wenn mir das aus Unerfahrenheit im Rennen passiert, muss ich das teuer bezahlen. Ähnliches gilt, wenn ich vergesse, mich während des Radfahrens zu versorgen. Ohne vollen Tank ist es nämlich völlig utopisch, dass ich noch 10 Kilometer laufe. Glaube ich jedenfalls.
  4. … ich (selbstgesteckte) Erwartungen nicht erfülle. Das ist vermutlich die größte Angst. Erwartet meine Familie, dass ich das schaffe? Dani? Ich selbst? Und wären all diese Personen enttäuscht, wenn ich nicht die Leistung bringe, die man von jemandem erwarten kann, der mehr als eineinhalb Jahre für seine Premiere trainiert hat? Ich müsste ja fitter denn je sein. Dafür hat auch mein Umfeld auf so vieles verzichtet. Was, wenn all das umsonst war?
  5. … ich mich blamiere – zwischen all den erfahrenen High-Performern. Bin ja bestimmt der einzige Rookie beim Allgäu Triathlon. Ach, was: vermutlich auf der ganzen Welt. Oder?

So weit, so ehrlich. Wann immer ich in den vergangenen Tagen meine Sorgen teile, bekomme ich von Kolleginnen oder meiner Familie motivierende, aufmunternde Worte und Parolen à la „Du machst das schon!“, „Du rockst das!“ oder „Wetten, dass du ablieferst?“ zugeworfen. Super lieb, beruhigt mich nur irgendwie nicht.

Nur Bocki nimmt kein Blatt vor den Mund, als ich gestehe, wie groß meine Angst eigentlich ist: „Der Allgäu Triathlon ist ja auch das härteste Rennen in Europa ist, das man sich für eine Premiere aussuchen kann.“ Na, toll! Ein Satz, der ja eigentlich einschüchtern müsste. Aber irgendwie funktioniert sie eben doch, diese umgekehrte Psychologie: Stimmt, der Allgäu Triathlon ist für sich genommen ja schon eine große Nummer – das hatte ich glatt vergessen. Wenn ich scheitere, dann nicht auf irgendeinem Kurs, den ich tatsächlich mit links absolvieren können müsste.

Und während ich über diesen Satz so nachdenke, stellt sich so langsam auch wieder die richtige Haltung ein: Auf jeden, der an der Startlinie eines Triathlons steht, kommen Tausende, die es nicht können, sich nicht zutrauen oder es aus anderen Gründen nicht bis dahin schaffen. Allein für sie möchte ich das mit dem Finishen zumindest versuchen – und vielleicht auch ein bisschen genießen! Ein Teufelskerl, dieser Bocki.

In diesem Sinne: Ab auf die Zielgerade des Dauer-Trainings! Wie war das noch mit diesem #SeeYouAtTheFinishline?

Eure Lena

7 Kommentare

  1. Ich bin auch Rookie beim KULT in zweieinhalb Wochen, du bist also schon mal nicht alleine.. 😉 und tatsächlich habe ich teilweise echt die gleichen Gedanken. Am Ende geht es doch echt nur um eins: dass man Spaß hat und sich selbst beweist, dass man es schaffen kann… in diesem Sinne, wir sehen uns im Allgäu!

  2. Ich bin auch Rookie und mache im Allgäu meinen ersten Triathlon und dann auch gleich die MD🤭
    Ob das eine gute Idee war/ist kann ich am Sonntag Abend sagen😅
    Meine größte Angst liegt beim Schwimmen😱😰

  3. Mein erster Triathlon (nur Sprintdistanz) liegt hinter mir und genau alle diese Sorgen hatte ich auch. Zwei Wochen vorher Urlaub, wo man doch eher entspannt und nur vereinzelt ein paar Einheiten macht um das gute Wissen zu beruhigen. Die Woche vor dem Wettkampf war auch alles andere als optimal. Bei der Unterlagenabholung rutschte mir dann erstmal das Herz in die Hose bei Besichtigung der verdammt langen Wechselzone und dem langen Weg vom schwimmen bis zum Wechselplatz. Und was war ich nervös am Sonntagmorgen. Plus bei 120 ohne große Bewegung alleine bei Anblick der Check in Zone. Doch kurz vorm Schwimmstart gab es kein zurück mehr. Der Puls beruhigt sich kurzfristig und die Zuversicht kam, auch weil man den ein oder anderen Rookie kennen gelernt hat, alles im Kopf durchgegangen ist, um sich dann in die Fluten zu stürzen. All die Gedanken waren wie weggewischt, Konzentration pur und der Rest erledigt das Adrenalin. Als Mama und Papa dann noch direkt an der Wechselzone standen war die Welt in Ordnung. Der Zieleinlauf war einfach nur genial. Die Zeit war besser als in jedem Training. Die olympische Distanz folgt noch dieses Jahr, schauen wir mal wie es wird.
    Ich wünsche dir viel Erfolg – du rockst das schon

  4. Auch ich geb in Immenstadt mein Rookie – Debut und könnte nervöser nicht sein. Es ist irgendwie erleichternd zu wissen, dass es dir uns so vielen anderen vermutlich genau so geht. Aber langsam verdrängt die Vorfreude meine Nervosität und ich wills jetzt endlich durchziehen. Mir und allen anderen beweisen, dass ich das kann und am Sonntag im Ziel mit allen zusammen feiern 😉

  5. Ruhe bewahren und nicht vergessen, das Rennen, die Stimmung und die ganze Atmosphäre zu genießen! Ich werde das in zwei Wochen beim Allgäu Classic auch alles versuchen… Das wichtigste ist eh, auf dem Zielfoto gut auszusehen! 😉