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11 Wahrheiten über Triathlon, die ich gerne vorher gekannt hätte

22. März 2021


Rookie Report Triathlon Dinge

So, ihr Triathlon-Fanatisten und Trainings-Tiere, jetzt mal Klartext: Triathlon ist geil – und lebensverändernd. Das fällt spätestens dann auf, wenn man mal innehält. Auch Rookie-Reporterin Lena gönnte sich eine erkenntnisreiche Verschnaufpause. Die Wahrheiten über Triathlon!

Es gibt kaum eine Entscheidung, die man so bewusst trifft, wie die für den Triathlon – dabei hat man in dem Moment besagter Entscheidung eigentlich keine Ahnung, was es überhaupt bedeutet, diesen Sport zu betreiben. Auch ich hatte keine Ahnung, welche Tragweite besagte Entscheidung haben sollte. Inzwischen ist mir aber klar, dass Triathlon im Gegensatz zu so manch anderem „Hobby“ mit der Zeit viel mehr wird: dein Lifestyle.

Das lässt den einen oder anderen gerade womöglich intuitiv das Hang-Loose-Handzeichen machen. Die Sache hat aber einen Haken: Nicht jede Veränderung ist eine hin zum Guten. So viel Ehrlichkeit muss sein. Und wenn wir gerade schon bei der mitunter unbequemen Wahrheit sind …

1. Triathlon verleiht dir Superkräfte – gefühlt.

Sind wir nicht alle Helden? Jedenfalls fühlen wir uns doch ein bisschen so, wenn wir die Sportklamotten überstreifen, die Laufschuhe schnüren oder mit Paddles und Pullbuoy unterm Arm in Richtung Schwimmbecken schreiten (wenngleich die Erinnerung an letztere Szenerie so langsam verblasst). Dass alle kleineren oder größeren Fortschritte, die Training bestenfalls mit sich bringt, nicht spurlos an Selbstbewusstsein, mentaler Stärke und Haltung vorbeigehen, ist logisch und ganz gut so. Und irgendwie hat ja auch der obligatorische Trisuit ein bisschen was von Superheldenanzug, oder?

Der Zusammenhang konnte sogar wissenschaftlich belegt werden: Eine internationale Umfrage des Sportartikelherstellers Nike unter 10.000 Frauen zeigte 2008, dass Sport ein um 77 Prozent gesteigertes Selbstvertrauen schenkt. Das nenn‘ ich mal signifikant! Davon profitiert jeder sportlich aktive Mensch auch bei beruflichen Projekten, Auftreten, Lebensführung, Partnerschaft …

2. Triathlon macht langweilig.

Nachsatz: Aber dabei sauglücklich. Mit Triathlon macht selbst das Herumliegen auf der Couch Sinn – als regenerative Maßnahme. Und gibt es eigentlich etwas Schöneres, als früh morgens aufs Fahrrad zu steigen und dafür um 21 Uhr ins Bett zu gehen? Für Triathleten vermutlich nicht. Auch für Rookies übrigens nicht.

Wenn dafür relativ früh Feierabend ist, muss man sich allerdings schon fragen, was eigentlich schiefgelaufen ist, dass das auch noch glücklich macht. Gleiches gilt für dauerhaften Zuckerverzicht. Bis zum Start ins Triathlon-Training hätte ich solche Verhaltensweisen noch als spießig bezeichnet. Heute erfüllt es mich, so verdammt langweilig geworden zu sein. Unterschlagen sollte man dabei jedoch nicht, dass das fürs Socializing weniger zuträglich ist. Auf Nicht-Triathleten kann es irritierend wirken, sommerliche Grillabende auf sonst nur für Kindergeburtstage übliche Veranstaltungszeiten zu legen.

3. Alles dreht sich nur noch um Triathlon.

Tagesplanung, Unterhaltung, Interesse – alles wird mit der Zeit vom Triathlon vereinnahmt. Besonders deutlich wird das bei der Ernährung: Mahlzeiten werden sowohl inhaltlich als auch zeitlich aufs Training abgestimmt; man versucht, mit der richtigen Energiezufuhr die Performance zu steigern; isst nur noch das, was Muskeln, Nerven & Co. guttut.

  • Tipp: Hier erklärt Pia übrigens ausführlich, wie und warum du mit der richtigen Ernährung dein Immunsystem pushst.

Ähnliches zeigt sich bei den Themen, die dich plötzlich bewegen: Du wirst zum Experten für Trainingsinhalte, wirfst mit neuen Begriffen um dich und genießt bei Wettkämpfen die Vorfreude, die sonst nur Kinder vor Weihnachten haben. Oder Jan Frodeno vor dem Startschuss der Challenge Miami. Vielleicht kannst du das aktuelle PTO-Ranking im Schlaf aufsagen, träumst den Rest der Nacht von deiner nächsten Finishline – und vergisst langsam, dass es neben Triathlon auch noch andere Lebensinhalte gibt. So Sachen wie Haushaltsführung, Arzttermine, die Pflege der Partnerschaft. Ach, wann war noch gleich der nächste Kita-Elternabend? Naja, man kann sich ja nun wirklich nicht alles merken …

4. Triathlon lässt dich wieder Fan-Girl (oder -Boy) werden.

Das letzte Mal, dass ich für „Stars“ geschwärmt habe, war zu Zeiten, als Nick Carter von den Backstreet Boys noch gut aussah. Und ja, ich erinnere mich auch noch, dass mein Teenie-Zimmer mal mit Postern von Avril Lavigne tapeziert war. Rund 15 Jahre später spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, mir hochwertige Race-Bilder von Profis durch die hawaiianische Lavalandschaft ins Wohnzimmer zu hängen. Alles nur wegen Triathlon. Hach, was gäbe ich für eine Paincave! Dann könnte ich meine Schwärmereien wenigstens als Motivationsstrategie tarnen …

5. Deine Triathlon-Expertise bringt dir nur unter Triathleten etwas.

Wir wissen ja: Triathlon wird immer beliebter. In den letzten zehn Jahren konnte die Zahl der Mitglieder in Triathlonvereinen sowie die Wettkampfanzahl laut der Deutschen Triathlon Union (DTU) sogar mehr als verdoppelt werden. Rund 270.000 Athleten nahmen 2019 an Events teil – und mit denen kann man sich ganz sicher auch super über Triathlon austauschen. Wer allerdings nicht im Thema ist, kann die Faszination nur schwer nachvollziehen.

Das zeigt sich schon, wenn man einen Partner hat, der so gar nichts mit Triathlon am Hut hat. Wetten, dass man in ein fragendes Gesicht schaut, wenn man sich über eine „geile Einheit mit 3×4 EB“ freut? Auch der Rest des Umfelds hat, wenn wir mal ehrlich sind, recht wenig davon, wenn man seine Begeisterung für das Thema entdeckt. Kurzum: Triathlon ist vereinnahmend, was den Small-Talk über anderes erschweren kann. Eine Schattenseite der Leidenschaft, die wir natürlich gerne in Kauf nehmen – just sayin‘!

6. Triathlon ist teuer.

Schwimmen, Radfahren, Laufen klingen nicht unbedingt nach den kostenintensivsten Sportarten: Badeanzug, Fahrrad, Laufschuhe – fertig. Wie es zu den oft benannten Materialschlachten in den Wechselzonen kommen kann, weiß man spätestens, wenn man Teil des Systems wird. Wenn man mit Schwimmbrillen liebäugelt, die dir im Wasser deine Pace anzeigen. Wenn man sich zu Finanzierungsmöglichkeiten eines schnittigen TT-Bikes erkundigt. Wenn man 400 Euro für Carbon-Schuhe „eigentlich ganz günstig“ findet – zumindest im Verhältnis zu besagtem TT-Bike.

Achtung, jetzt wird’s unbequem: Je nach Ambition ist Triathlon auch eine Frage des Einkommens. Das muss sich nicht unbedingt in Equipment äußern und hängt natürlich auch von der persönlichen Ernsthaftigkeit ab, mit der man diesen wunderbaren Sport praktiziert. Aber schon für die Events sind dreistellige Summen nicht unüblich. Und selbst das Training ist nicht umsonst, wenn man es mit etwas Struktur angehen will.

7. Nicht jede Triathlon-Distanz passt zu jeder Lebenssituation.

Triathlon gibt’s nur ganz oder gar nicht: „Ein bisschen“ Training geht nicht – dafür sind die Trainingsumfänge zu groß. Das heißt aber auch, dass nicht jede Distanz zu jeder Lebensrealität passt. Natürlich klingt es höchstmotivierend und wahnsinnig schön, dass grundsätzlich jeder zum „Ironman“ werden kann. Allerdings erhöht das fatalerweise auch die Erwartung an das eigene Leistungsvermögen: man meint, man muss, weil man kann. Dabei hängt das Können doch von so viel ab.

Die eigenen Ambitionen sollten allerdings an den Möglichkeiten ausgerichtet werden, nicht umgekehrt. Erst wenn sich die Lebenssituation ändert, Kinder älter werden, die Karriere läuft, oder sich anderweitige Möglichkeiten ergeben, können die Ambitionskarten neu gemischt werden. Der Vorteil ist nämlich: Vielleicht passt nicht jede Triathlon-Distanz zu jeder Lebenssituation, aber es gibt für jede Lebenssituation die passende Triathlon-Distanz.

8. Triathlon verändert deinen Körper – nicht unbedingt nur zum Guten.

Um genau zu sein: Es ist nicht der Triathlon, sondern das Training, das den Körper verändert. Das hat allerdings zwei Seiten. Wenn das Ausdauertraining zu einem geringeren Körperfettanteil, strafferen Muskeln sowie einem gestärkten Immunsystem führt, ist das natürlich super. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass Sport Stress ist – und enorme Auswirkungen auf das Hormonsystem des Körpers hat. Das bleibt nicht immer ohne Folgen. Sie lassen sich im schlechtesten Fall an Unregelmäßigkeiten beim Zyklus, Hautunreinheiten, Abgeschlagenheit oder einer veränderten Libido ablesen. Befeuert werden die Trainingsstressoren übrigens durch den Stress, den der Alltag ohnehin mitbringt. Holla, die Waldfee!

Außerdem reagiert nicht jeder Körper sofort mit einem „Shredded“-Look auf erhöhte Trainingsumfänge. Abhängig ist das auch von der Veranlagung: Bist du in puncto Körperbau eher Typ Ekto-, Meso- oder Endomorph, baust also eher schnell oder langsam Muskeln auf und Fett ab? Meine Zugehörigkeit zum Typ Mesomorph (eher schneller, voluminöser Muskelaufbau) führte bei mir übrigens dazu, dass kürzlich eine Nachbarin anmerkte, ich hätte „ja ganz schön deutliche Oberschenkel“ bekommen. Tja, bleibt nicht aus, wenn man viel Zeit auf dem Rad und in Laufschuhen verbringt, wa … Physiologisch spielen auch das Stresshormon Cortisol, damit einhergehende Fett- und Wassereinlagerungen sowie Mangelerscheinungen (z.B. durch die falsche Ernährung) im Game um die körperlichen Veränderungen mit. Immerhin: Läuft alles nach Plan, ist das der wohl schönste Beweis, dass das Training Wirkung zeigt.

9. Triathlon schenkt einen ganz neuen Humor (den nicht jeder teilt).

Du merkst, dass der Triathlon dein Leben bestimmt, wenn du bei einem Ziegenbild an Frodo denken musst – und das auch noch lustig findest.

10. Triathlon gibt sogar Kalendersprüchen einen tieferen Sinn.

Triathlon ist eine wahnsinnig emotionale Angelegenheit. Das fiel mir kürzlich wieder auf, als ich beim Lesen einer dieser üblichen Motivationssprüche andächtig mit dem Kopf nickte. Und so schließe ich diesen Punkt mit den bedeutungsschweren Worten: „Folge deinen Träumen, sie weisen dir den Weg!“

Noch nicht genug von Motivationssprüchen? Bocki hat sicher noch einen parat:

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11. Du wirst nie wieder der-/dieselbe sein, wenn dich das Triathlon-Fieber einmal gepackt hat.

Punkt.

 

6 Kommentare

  1. Hallo
    Ich laufe seit 40 Jahren, triathlon seit 35 Jahren , über sowas hab ich noch nie nachgedacht.
    Mein Motto…..mach mein Ding

    Mit sportlichem gruss
    Peter

  2. ICH finde es schlüssig, flott, inhaltlich treffend und nachvollziehbar geschrieben!
    Danke für gut wiedergegebene Zusammenhänge, Informationen und Tatsachen!

  3. Besser hätte ich es auch aus meiner (Selbst-)Reflexion nicht zusammenfassen können.
    1 zu 1 wie es sich anfühlt/ wie es ist

  4. Tatsächlich ist mein Zyklus stabiler, wenn ich regelmäßig trainiere mit einer regelmäßigen Entlastungswoche. Kommt vielleicht drauf an, wie verbissen man ist. Ich nehme im Training Rücksicht auf meinen Körper, dann passt das!