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Nach Deutscher Meisterschaft in Berlin: DTU sollte Regelwerk anpassen

Es liegen ein paar aufschlussreiche Tage hinter uns, an deren Ende wir die Hoffnung begraben müssen, dass die Deutsche Triathlon Union ein Verband sei, der für Transparenz und Offenheit steht. Was bleibt, ist der Versuch mit konstruktiven Vorschlägen für eine Zukunft im Sinne des fairen Sports zu plädieren.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
24. August 2019 Blog

In den vergangenen Tagen hat uns ein Schwall an Nachrichten zum Triathlon im Rahmen von „Die Finals“ in Berlin erreicht. Der Inhalt: Im Rennen der Männer soll an der ersten Boje auf der Schwimmstrecke abgekürzt worden sein. Zum einen war es die Dichte an Nachrichten, zum anderen zeigen aber auch die TV- und Live-Bilder diesen Regelverstoß deutlich.

Nach vielen Gesprächen und Nachrichten steht fest: Sowohl Athleten, als auch Offizielle wissen von dem Regelverstoß.

Geahndet werden kann er dennoch nicht. Der Fehler, der eigentlich zur Disqualifikation hätte führen müssen, bleibt unausgebügelt.

  • Zu den Live-Bildern in der ZDF-Mediathek des Rennens geht hier: Triathlon bei „Die Finals“ in Berlin.
  • Das besagte Manöver ist ab Minute 5:35 zu beobachten. Bei Minute 5:41 ist eine silberne Badekappe an der linken Spitze des Surfboards zu erkennen. Wenig später taucht sie ab und bei Minute 5:45 links vor der Boje wieder auf. 

Das Kind ist in den Brunnen gefallen

Das Rennen in Berlin liegt mittlerweile drei Wochen zurück. Viel zu lange, um jetzt noch eine Lösung zu finden, bei der alle Beteiligten ihr Gesicht behalten könnten. Wir möchten niemandem in den Karren fahren und verzichten daher darauf die Protagonisten zu nennen – am Ende gäbe es dann nämlich tatsächlich nur Verlierer. Was wir allerdings wollen: Fairen Sportsgeist und ein Regelwerk, das es ermöglicht Regelverstöße und Fehlverhalten, auch nach verstreichen von fragwürdigen Fristen, zu ahnden.

Die Rolle der Athleten

Triathlon, wie er in Berlin im Rennen von „Die Finals“ ausgetragen wurde, ist Leistungssport auf dem höchsten Niveau. Es ging dort nicht um irgendeinen Wettkampf, sondern hauptsächlich um die Deutschen Meistertitel in der Elite und U23. Wer hier gewinnt, hat etwas erreicht. Im Triathlon ist es ja nun mal so, dass alles in einem Rennen zusammenkommen muss, um am Ende erfolgreich zu sein. Andersherum betrachtet heißt das aber auch: Wenn etwas schief läuft, dann kann das zu Misserfolg führen. That’s our sport!

Die TV-Bilder zeigen eindrucksvoll, wie umkämpft das Schwimmen vor allem an der ersten Boje war. Ein desolat platziertes Surfboard hat diese Situation sicherlich zusätzlich provoziert und die Athleten in eine ungünstige Ausgangslage gebracht. Eine Ausgangslage, der man als Athlet trotzdem nicht mit einem Regelverstoß und dem Abkürzen der Strecke trotzen darf. Auch wenn es wie eine Lappalie erscheinen mag, so basiert ein fairer Wettkampf am Ende immer auf dem gegenseitigen Vertrauen und Selbstverständnis der Athleten, dass nach bestehenden Regeln geraced wird. Und die Regeln besagen nun mal logischerweise, dass das Abkürzen der Strecke untersagt ist.

Sollte es doch mal dazu kommen – Shit happens! Wenn aber ein Bewusstsein für den Fehler vorhanden ist, dann sollte man als Sportler dazu stehen und die Konsequenzen tragen.

Bis heute gibt es nach dem Rennen in Berlin keine Stellungnahme dazu, wenngleich unter Athleten, Teams und Verband längst Klarheit herrscht. Eine Situation, die es auszuhalten gilt – nicht nur für den Athleten, sondern auch für die Betreuer und Trainer.

Die Rolle von Betreuern und Trainern

Natürlich geht es an erster Stelle darum erfolgreich zu sein. Die Hauptaufgabe von Betreuern und Trainern liegt sicherlich darin für die bestmögliche Leistung der Athleten zu sorgen. Der Erfolg darf aber nicht über allem stehen – schon gar nicht über den Grundsätzen des Sports, bei dem es um Fairness und Gleichberechtigung geht.

In Berlin hätte das Team hinter dem Athleten die Chance gehabt, gemeinsam und Hand-in-Hand mit dem Sportler ein Zeichen für eben diese Fairness zu setzen. Eine Nominierung für den Fair Play-Preis wäre das mindeste gewesen, was sie dafür verdient gehabt hätten. Stattdessen ist nichts passiert und auch das hat Signalwirkung: Bescheißen ist in Ordnung, nur lasst euch halt nicht erwischen!

Wenn das die Maxime sind, die bei manchen Vertretern im Leistungssport gelten, dann sollte man darüber diskutieren.

Die Rolle der Deutschen Triathlon Union

Die DTU ist nicht nur der Dachverband des deutschen Triathlonsports, sondern auch hauptverantwortlich für die Veranstaltung in Berlin. Dem Verband liegt die Sportordnung zu Grunde und darin steht selbsterklärend unter § 3: „Der Zweck der DTU-Sportordnung ist Athleten auf die Einhaltung der geltenden Wettkampfregeln zu überwachen […]“ und „Athleten, die diese geltenden Wettkampfregeln missachten, entsprechend zu sanktionieren.“ Unter § 7 findet sich außerdem folgendes: „Oberste Grundsätze sind sportliche Fairness und die Einhaltung der in der Satzung der DTU, dieser Sportordnung und den übrigen Ordnungen der DTU niedergelegten Regeln. Es ist verboten, sich unter Verletzung dieser Grundsätze oder Regeln Vorteile zu verschaffen.“

Das offensichtliche Abkürzen der Wettkampfstrecke, wie es in Berlin beim Schwimmen passiert ist, fällt klar in die beschriebenen Punkte der Sportordnung.

Ein Handeln oder eine Stellungnahme zu dem Sachverhalt seitens der DTU wäre also angebracht. Stattdessen passiert nichts und was bleibt ist Verwirrung. Auf offizielle Anfrage beim Verband wurde auf mehrfaches Nachfragen bestätigt, dass innerhalb des Verbands keinerlei Kenntnis über diesen Vorfallen besteht. Was zwar verwunderlich ist, aber es gibt ja nichts, was es nicht gibt. Allerdings bestätigt DTU-Bundestrainer Faris Al-Sultan wiederum, dass der Vorfall natürlich zur Kenntnis genommen wurde. Wie gesagt, was bleibt ist Verwirrung.

Regeln sind da um gebrochen zu werden?

Uns wird auch mitgeteilt, dass der Verband nun ohnehin nichts mehr machen könne, da eine Einspruchsfrist, die es laut Sportordnung erlaubt, innerhalb von 30 Minuten nach Aushang der offiziellen Ergebnisse, Einspruch einzulegen, längst verstrichen sei. Ergänzend dazu, und um zu verdeutlichen, dass jegliches Vorgehen sowieso zwecklos wäre, wurde mir erklärt, dass eine Tatsachenentscheidung der Kampfrichter unanfechtbar ist. Ein Auszug der offiziellen DTU-Erklärung lautet: „Da am Wettkampftag innerhalb der o.g. Frist kein Einspruch erfolgt ist und ein nachträglicher Einspruch gegen die Wertung gemäß der Regularien nicht möglich ist, gibt es keinen Anlass das Ergebnis in Frage zu stellen.“ Das gilt es zu akzeptieren. Friss oder stirb.

  • Dr. Paul Lambertz, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Sportrecht sagt:

  • „Nach den Aussage des Bundestrainers wusste die DTU von dem Regelverstoß. Diese wäre daher m. E. verpflichtet gewesen, den Verstoß dem Wettkampfgericht anzuzeigen. Warum dies nicht geschehen ist, ist mir vollkommen unverständlich. 
     
    Das Argument, dass es sich um eine Tatsachenentscheidung handeln soll, kann ich nicht nachvollziehen, denn ich kenne keine Aussage des Wettkampfgerichts, dass der Vorfall zwar wahrgenommen aber einfach nicht bestraft wurde. Auf mich macht es daher den Eindruck, dass der Vorfall während des Wettkampfes schlichtweg nicht wahrgenommen wurde. Das Nichtwahrnehmen kann aber keine Tatsachenentscheidung sein, denn es wurde ja nichts entschieden.“

Es muss also gestattet sein darüber zu diskutieren. Denn auf welcher Grundlage wurde hier entschieden bzw. nicht entschieden, wenn nicht mal ein Kampfrichter aufs Feld geschickt wurde?

Im Fußball zum Beispiel kann man Fehlentscheidungen nachher herrlich sezieren und zur Not ist der Schiri an allem Schuld. Aber die DTU hat in Berlin – beim vielleicht wichtigsten verbandsinternen Rennen des Jahres – gepennt und sich den Schiri auf dem Wasser offenbar gespart. Fail.

Es kann also nicht sein, dass offensichtliche Regelverstöße bekannt sind und ohne Folgen bleiben, wenn irgendwelche Fristen verstrichen sind, im Nachhinein aber eindeutige Beweise für Regelverstöße vorliegen.

Es sollte nicht nur im Interesse aller Athleten, sondern auch im Interesse des Verbands sein, dass solche Vergehen geahndet werden.

Und wenn das nicht möglich ist, dann muss dafür gesorgt werden, dass an den entscheidenen Stellen im Rennen (wie es beim Schwimmen in Berlin sicherlich die besagte Boje war) Wettkampfrichter positioniert werden, die sofortige Entscheidungen treffen können. Von einem Verband wie der DTU hätte man das erwarten können. Ergänzend dazu muss es eine Möglichkeit geben, dass auch aufgrund von vorliegendem Bild- und Videomaterial nachträglich noch Regelverstöße mit der angemessenen Sanktion belegt werden können.

Eine Stellungnahme der DTU wäre ein Zeichen gewesen, dass das Bewusstsein für fairen Sport vorhanden ist. Dass der Verband stattdessen agiert und argumentiert, als wüsste er von nichts, ist verwunderlich.

Denn auch wenn das Ergebnis ist wie es ist, sollte dazu eine transparente Kommunikation stattfinden. Der Eindruck, der durch solch eine Verschleierungstaktik entsteht trägt jedenfalls nicht zum Vertrauen in einen Verband bei, von dem man einen fairen Einsatz für die Werte und Normen des Sports erwarten würde. Immerhin hat Faris uns gegenüber Offenheit demonstriert und signalisiert, dass sich etwas ändern muss. Hoffen wir, dass er auch im Verband gehört wird.

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