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Pro:blog #5 – Heißdüse auf Sparflamme – 29 Wochen bis Roth

08.12.2021 · 4 Min. Lesezeit · von Niclas

Problog Bocki Heißdüse

Nach vier perfekten Monaten gab es vor drei Wochen den ersten Schuss vor den Bug. Das Signal: Es kann nicht immer rund laufen. Die Aufgabe: Den richtigen Umgang damit finden. Das gilt zwar auch fürs Training, vor allem aber mental. Ist mir die Sache mit dem PRO:ject und Profisein doch wichtiger als gedacht? Ein Blog darüber, wenn es mal nicht so läuft wie man es gerne hätte – und was man daraus lernen kann.

Bekannterweise ist es ja so: Die eigenen Probleme sind immer die größten. Ich weiß natürlich, dass das Quatsch ist und dass jeder mal mit größeren oder kleineren Unwägbarkeiten zu kämpfen hat. Es geht dann auch gar nicht darum, sich darüber zu beschweren oder das Jammern anzufangen. Aber sind wir doch ehrlich: Wenn es nicht so läuft, wie wir es gerne hätten, dann wurmt einen das.

Bei mir führen solche Situationen gerne dazu, dass ich manche Dinge viel zu schnell komplett in Frage stelle. Vor lauter – nennen wir es mal Frust – verliere ich im ersten Moment nicht nur das große Ziel aus den Augen, sondern auch die generelle Orientierung. Ich komme erstmal überhaupt nicht auf die Idee, dass es Alternativen oder andere Wege und Möglichkeiten gibt, als das, was ich bisher gemacht habe. Eine Eigenschaft, die bis zu einem gewissen Punkt sicher hilfreich ist – die aber durchaus zum Problem werden kann, wenn man es nicht schafft, richtig damit umzugehen. Denn dann steht man sich nämlich ziemlich schnell selbst im Weg.

Die schöne Utopie des PRO:jects hat den ersten Kratzer

Ich muss die Sache vielleicht kurz einordnen, damit keine falschen Annahmen entstehen. Mir macht weder eine Verletzung zu schaffen, noch gibt es irgendwelche anderen körperlichen Signale, die es verlangen würden, vom Gas zu gehen. Mit Family, Kind und Kegel war es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis die schöne Utopie des PRO:jects mit den perfekten Rahmenbedingungen fürs Profisein die ersten Kratzer abbekommt.

Und auch das klingt fast ein bisschen zu dramatisch. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: anstatt meines „normalen“ Pensums von 20 bis 22 Stunden Training pro Woche, kam ich zuletzt auf 7:15 Stunden (inkl. Booster-Impfung), 11 Stunden und bin diese Woche bei 12:30 Stunden, wenn alle Einheiten absolviert werden. Kommende Woche soll dann wieder auf Normalbetrieb umgestellt werden. Also nüchtern betrachtet alles halb so wild.

Nichts als die Realität

Daher versteht mich bitte auch nicht falsch: Ich möchte mich keinesfalls beschweren und ich suhle mich auch nicht in Selbstmitleid, weil ich gerade im Training nicht so kann wie ich will. Das wäre vollkommen vermessen und dazu noch unangebracht, schließlich ist das PRO:ject per se schon viel mehr, als ich mir je zu träumen gewagt hätte. Dem möchte ich nun aber auch gerecht werden. Für mich bedeutet das, dass ich nicht nur von den schönen und einfachen Dingen berichten will, sondern auch in die Bereiche blicken lasse, die mich beschäftigen, Nerven kosten, anstrengend sind – und wie ich damit umgehe. Am Ende ist es schließlich nichts anderes als die Realität.

Zugegeben: Ich hatte mir bisher keine ausreichend realitätsnahe Vorstellung davon gemacht, wie es ist Profisportler zu sein und gleichzeitig Verantwortung für mehr als sich selbst zu tragen. Diese Seite des Profiseins kannte ich auch aus früheren Zeiten, in denen man befreit tun und lassen konnte, was man wollte, nicht. Ist das Training und der Sport zu einer ernsteren Angelegenheit für mich geworden? Zu 100 Prozent ja.

Der eigene Anspruch ist da: Immer besser werden!

Ich will ganz ehrlich sein: Im allerersten Moment habe ich es als Nachteil empfunden, als so eine Art Chancenungleichheit. Die Frommholds, Clavels, Böcherers, Steins und Bleymehls dieser Welt lachen sich jetzt wahrscheinlich kaputt, schließlich kennen sie das seit Jahren und betreiben den Sport dazu noch auf einem ganz anderen Niveau (darauf komme ich aber gleich noch kurz zu sprechen). Es hat ein paar Gespräche mit meiner Trainerin und dem ein oder anderen befreundeten Profi gebraucht, bis ich das ganz Normale daran gesehen habe. Ich habe für mich jedenfalls drei Dinge mitgenommen, in denen ich im Zuge des PRO:jects besser werden muss: Beharrlichkeit, Kompromissbereitschaft, Flexibilität.

Noch eine andere Sache ist mir in den letzten Tagen klar geworden: Anfangs habe ich mich mit diesem „wir machen jetzt einen auf Profi“ schwer getan, sogar eher unwohl damit gefühlt und mich nicht wie einer von den „echten Profis“ gesehen. Allerdings nehme ich die Sache spürbar ernst, messe den entscheidenden Dingen Wichtigkeit zu, handle konsequent und bin sowohl fokussierter, als auch leistungsorientierter als gedacht. Ich persönlich will mich nicht nur am produzierten Content messen lassen, sondern auch an der sportlichen Wertigkeit des Profitums. Bin ich also „ein echter Profi“? Absolut.

Bis in Kürze, euer Bocki

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