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Triathlon-Macher Kurt Denk: Alles für den Ironman Germany

Mit etwas wackligen Knien tippe ich einem Mann auf die Schulter: „Hallo Kurt, wir haben vor einigen Tagen miteinander telefoniert“, sage ich und erwische mich dabei, wie ich seine Hand einen Moment zu lange schüttle. Ich bin tatsächlich etwas nervös. Anlass meines Telefonats mit Kurt Denk waren die aktuellen Vorgänge bei der Challenge Regensburg, dabei herausgekommen ist jedoch ein Porträt über einen Mann, der Triathlon in Deutschland geprägt hat, wie nur wenige sonst.

Niclas Bock Pushing Limits Niclas Bock
Ehrlich währt am längsten

06. Dezember 2017 Ironman Personality Triathlon

Ich gratuliere Kurt Denk zur Auszeichnung mit dem triathlon Lifetime-Award, den er bei der Sailfish Night of the Year vor wenigen Minuten in Empfang genommen hat. Er ist sichtlich gerührt und ehrlich bewegt. Damit habe er nun wirklich nicht gerechnet. Und er werde bald nach Hause fahren, um mit seiner Frau diesen, für ihn besonderen Abend, zu genießen. Ohne sie hätte er all das gar nicht schaffen können. Verdient ist verdient, denke ich bei mir und bin sehr beeindruckt von der Zufriedenheit, die dieser Mann ausstrahlt.

Am Telefon sagte Kurt vor einigen Tagen zu mir: „Ich lebe nach dem 5-5-2-Prinzip.“ Ich entgegne mit einem interessierten: Aha? „Fünf Monate Windsurfen, fünf Monate Skifahren, zwei Monate Gartenarbeit“, lacht und erklärt er mir zugleich durch den Hörer. Es gehe ihm gut nach dem Verkauf des Ironman Germanys an die Private Equity von Providence im Jahr 2009. Daran zweifle ich keinen Moment und lausche weiter gespannt einem Mann, der verdammt viel erlebt und verdammt viel zu erzählen hat.

Foto: Ingo Kutsche

Visionen ohne Plan werden scheitern. Visionen mit Plan und dem Willen zum Risiko werden erfolgreich sein.

In unserem Gespräch erfahre ich viele Episoden aus Kurts Leben – unter anderem, wie der passionierte Surfer und Skifahrer damals dazu kam, den Ironman Germany in Frankfurt zu etablieren. Mickrige zwölf Stunden Bedenkzeit wurden ihm geschenkt, nachdem er im Oktober 2001 auf Hawaii von den damaligen Ironman-Bossen gefragt wurde, ob er einen Ironman in Frankfurt auf die Beine stellen könne. „Als wir am nächsten Tag gemeinsam beim Frühstück im King Kamehameha Hotel saßen, wusste ich immer noch nicht, ob ich das machen sollte. Ich kannte mich ja überhaupt nicht aus. Aber ich hatte eine Vision und wusste, wie der Ironman in Frankfurt funktionieren könnte. Deshalb sagte ich zu.“ Und dann? Dann begann Kurt Denk mit dem, was er am besten kann: Er begeisterte Menschen. Er wollte einen Triathlon machen, der mitten in der Stadt stattfindet, bei dem Familie und Fans ganz nah an ihren Athleten sind und er wollte einen Zieleinlauf auf dem bekanntesten Platz der Stadt, dem Römerberg.

Unser Gespräch wird durch eine kurze Denkpause unterbrochen. Die folgenden Worte kamen gleichermaßen überraschend wie unvergesslich: „Niclas, im Leben geht es immer darum ein Momentum zu erkennen. Wenn Du es erkennst, musst Du es nutzen. Und die Sache auf Hawaii, als mir der Ironman Germany angeboten wurde, das war so ein Momentum.“ Ich frage nicht weiter nach, sondern höre einfach weiter zu: „Ich wusste, dass ich es schaffen kann, weil ich eine Vision hatte und mir schnell meine Pläne zurechtlegte. Es gibt viele Menschen mit vielen tollen Visionen. Leider fehlt aber oft der Plan, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen und deshalb scheitert sie. Wenn man seine Vision aber mit einem klaren Plan verfolgt und bereit ist dafür ins Risiko zu gehen und mit vollem Kraft- und Energieeinsatz dafür zu kämpfen, dann wird sie erfolgreich sein.“

Ins Risiko gehen? Das tat Kurt Denk und so investierte er alles was er hatte in den Ironman Germany, er belieh sein Haus, er setzte alles auf eine Karte – und stand am Tag nach dem ersten Ironman in Frankfurt mit einem Minus von 880.000 Euro auf seinem Konto da. Das Ende des Ironmans? Das Ende von Kurt Denk? Weder noch, es war der Anfang von allem, was dann folgte.

„Als ich mit meinen Ideen zur Stadt und zur Politik gegangen bin, habe ich die volle Unterstützung bekommen,“ spricht heute noch die Dankbarkeit aus Kurt.

Gesperrte Radstrecke? Sollte ich bekommen. Zieleinlauf auf dem Römerberg? Kein Problem. Aber natürlich gab es auch Bedenken. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin sagte zum Beispiel zu mir: Herr Denk, wenn all das nicht funktioniert, dann stecken wir Sie ungespitzt in den Römer!

Es gelang ihm ein Feuer zu entfachen und seine Begeisterung auf die Menschen zu übertragen, die über Erfolg oder Scheitern des Ironman Frankfurt entscheiden mussten.

Kurt Denk: Qualität war immer mein höchster Anspruch

Seine Vision enthielt aber viel mehr als eine vollgesperrte Radstrecke und Zuschauerfreundlichkeit. Er wollte ein Rennen, das neue Qualitätsstandards setzt. „Anstatt bei jedem Athletenrucksack einen Euro zu sparen, nahmen wir lieber einen Euro mehr in die Hand. Bei der Athleten- und VIP-Verpflegung gab es das beste Essen, das wir auftreiben konnten, koste es was es wolle. Es gab zu wenig Helfer? Dann mussten wir mehr Geld in die Hand nehmen und welche bezahlen. Es sollte alles perfekt sein.“

All das kostete Geld. Viel Geld. Im ersten Jahr verschlang der Ironman Frankfurt satte 2,2 Millionen Euro. „Und es war jeden Euro wert,“ sagt Denk, der das erste Jahr immerhin mit einem Minus von 880.000 Euro auf dem eigenen Konto abschloss. Heute blute ihm das Herz, wenn er in der Wechselzone am Main die Räder der Athleten lieblos übereinandergestapelt sehe. Ich kann ihn verstehen.

Wenn Kurt spricht, hat er eine besondere Fähigkeit, die heute allzu häufig im Sande der Verallgemeinerung verläuft. Er spricht in Ich- und Wir-Formen, er nennt Namen und macht Aussagen, die keine Fragen offenlassen. Heute wird über andere gesprochen, hinter dem Rücken und am Ende, wenn etwas nicht klappt, sind es auch die anderen, die Schuld haben.

Kurt wusste immer, dass es am Ende er selbst ist, der die Verantwortung zu tragen hatte. Das prägt einen Menschen. „Du kannst eine solche Aufgabe nicht alleine schaffen,“ erklärt er mit Blick auf eine seiner stärksten Fähigkeiten: Arbeit abgeben und Menschen vertrauen. „Ich war immer gut darin, Menschen zu begeistern und sie für den Ironman Frankfurt zu gewinnen. Egal ob in der Politik oder der Wirtschaft, dafür hatte ich auf anderen Gebieten meine Schwäche und gab diese Arbeit an Menschen ab, die das viel besser konnten als ich und so ergab sich eine kongeniale Mischung, die am Ende Erfolg brachte.“ Mein Staunen und meine Achtung vor diesem Mann wuchs mit jeder Minute unseres Telefonats.

Foto: Ingo Kutsche / Kurt ganz nah dran am Triathlon-Geschehen

Wir legten auf und in meinem Kopf arbeitete es. Natürlich sprachen wir auch über Regensburg, wie damals 2010 der Ironman kam und über die aktuellen Probleme mit den Veranstaltern der Challenge. Aber mir war ganz schnell klar, dass solch ein öffentlicher Kindergarten in Regensburg, einem Gespräch mit einem Mann wie Kurt Denk, nicht gerecht wird. Ich entschied mich für dieses Porträt.

Lieber Kurt, vielen Dank für Deinen Einsatz für Triathlon in Deutschland und für das offene, ehrliche und inspirierende Gespräch.

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