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Mut, Respekt, Selbstvertrauen: Als Frau im Trainingslager

Ob man es nun Trainingslager oder Sporturlaub nennt, im Endeffekt geht es darum, dass wir uns eine gewisse Zeit lang, ohne viel Ablenkung, auf unseren Sport und das Training konzentrieren können. Für mich ist diese Zeit immer dann besonders schön (und effektiv), wenn ich in guter Gesellschaft bin. Und das ist als Frau im Triathlon gar nicht so einfach. Oder etwa doch?

Tamara Hitz Leben bedeutet Lachen

Ich war schon unzählige Male im Trainingslager. Früher als kleines Mädel mit dem Schwimmverein, wo wir jeden Tag zwei Mal zwei Stunden im Wasser waren und Kilometer gesammelt haben. Und auch als Triathletin fahre ich nun schon seit Jahren zum trainieren in die Sonne – anfangs als Guide bei einem Reiseveranstalter, mittlerweile als privater Urlaub. Mindestens einmal im Jahr gönne ich mir ein bisschen Zeit auf den Kanaren oder auf Mallorca, um die ersten Kilometer im Freien auf dem Rad zu sammeln.

Am liebsten in Gesellschaft

Am liebsten verbringe ich diese Zeit logischerweise nicht allein. Alleine trainieren macht mir einfach nicht so viel Spaß. Hier lauert also schon die erste Herausforderung: Wie finde ich passende Trainingspartner? Mit wem kann ich trainieren? Meistens ist es auch immer noch so, dass vor allem Männer Triathlon machen und die Frauen immer etwas in der Unterzahl sind und für viele Mädels ist das ein Problem. Schwitzen, Schweißränder auf den Klamotten, roter Kopf – das ist alles nicht so wirklich lady like und für manche Frauen vielleicht einfach unangenehm oder mit Überwindung verbunden. Jetzt bitte weiterlesen!

Mittlerweile verbringe ich meinen Urlaub mit Niclas – also auch das Trainingslager. Aber um ihn als Trainingspartner auf dem Rad „einzuplanen“ hat es sehr lange gedauert und hat mich anfangs auch sehr viel Überwindung gekostet. Klar, Niclas ist mein Freund, aber ich weiß auch, dass er viel besser Rad fährt oder läuft als ich. Ich wollte dann nicht die Bremse sein oder „die, auf die Rücksicht genommen werden muss“. Ihr wisst was ich meine… also bin ich lieber selber Rad gefahren, alleine.

Als ich mich dann doch irgendwann überwunden (und überreden lassen) habe, um mit Niclas zusammen zu fahren, habe ich gemerkt, dass es gar nicht so schlimm ist!

Natürlich, am Berg fährt er oft schneller, dann mache ich mein Ding und wir treffen uns oben wieder oder rollt mir nochmal entgegen. Ich dachte immer: „Okay, dass macht er nur um mir einen Gefallen zu tun.“ Dass es für ihn im Wind, wenn ich hinterher rolle, trotzdem verhältnismäßig anstrengend und somit richtiges Training ist, habe ich nicht geglaubt und wollte ich auch nicht hören. „Das sagt er doch eh nur, weil ich es hören will…“

Aha-Erlebnis hat geholfen

Manchmal kommt es dann aber auch vor, dass Niclas spontan andere Jungs zum gemeinsamen radeln anschleppt. Das hat schon häufig mal zu schlechter Laune und Nervosität bei mir geführt (lasse ich mir natürlich nicht anmerken), weil es mich einfach in eine unangenehme Situation gebracht hat. Die Gründe habe ich ja oben schon beschrieben.

Als ich mich irgendwann im Windschatten von Niclas und Nils Frommhold wiederfand, habe ich endgültig gemerkt: „Hey, das funktioniert sogar gut!“ Und ihr könnt mir glauben, dass das sicher nicht daran liegt, weil ich so stark auf dem Rad wäre, sondern weil die Jungs auch einfach so Rücksicht auf uns Mädels nehmen, wenn es nötig ist. Es macht einfach Spaß in einer Gruppe mit Leuten – Jungs und Mädels – zusammen über die Straßen zu rollen.

Und meine Zweifel, dass wir Frauen nicht mit Männern zusammen trainieren könnten, haben sich durch die gemachten Erfahrungen einfach von Mal zu Mal selbst in Luft aufgelöst.

Wie schon kurz beschrieben wird es bergauf ja dann schon manchmal anstrengend und der Kopf gleicht irgendwann eher der Farbe einer Tomate. Na und? Wir wollen ja auch keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sondern unseren Körper fit halten oder noch fitter werden. Und dazu müssen wir nun mal an unsere Grenzen gehen. Da wäre das Make Up vor der Radausfahrt manchmal tatsächlich überflüssig… außer ihr habt einen Geheimtipp welches Make Up wirklich Wasserfest ist?

Und wer kennt es nicht: Die schwarze Radhose mit den weißen Schweißrändern? Na und? Soll doch ruhig jeder sehen wie sehr wir uns angestrengt und wie gut wir trainiert haben. Hier muss ich immer an die Frauen im Fitnessstudio denken, die sich vor dem Sport noch in der Umkleide Schminke und Lippenstift auftragen und eine Stunde später, nach getaner Arbeit sozusagen, immer noch genau so frisch und gestylt aussehen wie vor dem Training. Wie um Himmelswillen soll das gehen, wenn man sich als Triathletin auspowert?

Und wisst ihr was? Ich habe noch nie einen blöden Spruch oder fiesen Kommentar bekommen. Das hat einfach mit gegenseitigem Respekt zu tun. Und den gab es in den Trainingsgruppen einfach immer, weil es sich so gehört.

Wir wissen alle, dass es in unserem Sport auf jeden Fall nicht möglich ist immer wie eine Prinzessin auszusehen. Der Wind verweht das Haar. Der Helm oder die Cap kleben die schweißnassen Haare an den Kopf. Das Training lässt dem Make Up keine Chance. Und auch die schon getragenen Radtrikots, die bereits nach einer Ausfahrt so müffeln, als hätten sie zwei Wochen Trainingslager hinter sich, gehören halt einfach dazu. Bei Jungs und bei Mädels.

Do it your way!

Jeder und Jede soll für sich entscheiden was richtig ist. Aber wenn ihr Zweifel habt oder euch manchmal vielleicht einfach nur selbst im Weg steht, dann hoffe ich, dass ich euch etwas dazu ermutigen konnte auch mal über euren Schatten zu springen. Auch wenn die Jungs vielleicht im Wettkampf viel schneller sind als ihr – DAS IST EGAL. Im Training kann jeder von jedem profitieren. Mann von Frau und Frau von Mann. Also nutzt das! Und genießt die Zeit im Freien zusammen. Und als kleine Motivation: Meistens habt ihr eine schöne Aussicht, wenn ihr im Windschatten hängt.

Ich wünsche euch viel Spaß im Trainingslager!

1 Kommentare

  1. Hey Tamara,
    Danke für diesen Beitrag! Super zu hören, dass auch eine so gute Athletin wie du solche Ängste hast.

    In unserem kleinen Triathlon Verein bin ich die einzige Frau, welche längere Ausfahrten (über 50km) absolviert. So stellt sich mir auch regelmäßig die Frage alleine fahren oder den Jungs am Hinterrad kleben.
    Und immer ist meine größte Angst das ich sie ausbremse oder ich nicht mithalten kann.
    Mittlerweile können wir uns da gut arrangieren, auch im Trainingslager. Berghoch fährt jeder sein Tempo und ansonsten versuche ich vom Windschatten zu profitieren.

    Ich frage vor jedem Rad-Date ob die Männer „gemütlich“ fahren und wenn dies nicht verneint wird sehe ich es als Einverständnis, dass ich im Windschatten mitrollen darf (es wurde noch nie verneint 😉

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