Triathlon
Ein Sport für Selbstdarsteller: Sind Triathleten die besseren Menschen?
So schön der Triathlon-Sport auch ist, genauso nervig kann er sein. „Triathlon ist so ein geiler Sport! Nur die Leute, die ihn betreiben sind leider manchmal echt ätzend“, hat mal irgendjemand gesagt, der mir damit ziemlich aus der Seele gesprochen hat. Natürlich sind nicht alle Triathleten ätzend. Aber warum missbrauchen so viele Leute den Sport um sich im Alltag, im Freundeskreis oder in der Karriere zu profilieren?
Neulich habe ich einen Blog gelesen, in dem es um Parallelen zwischen erfolgreichen Geschäftsführern und Triathleten ging: „The Skills That Successful CEOs Share With Triathletes“ hieß der Beitrag, den ich, zuerst belustigt und dann genervt, gelesen habe. Es war mal wieder der Beweis dafür, dass sich Triathleten viel zu oft viel zu wichtig nehmen. Autor des Blogs war ein – ich vermute mal – erfolgreicher Geschäftsmann und natürlich sechsfacher IRONMAN-Finisher, der das auch direkt im zweiten Satz klarstellte. Ein ganz ähnliches schriftliches Meisterwerk, von einem anderen Autor, trägt den bescheidenen Titel: „How Being a Triathlete Makes Me a Better CEO“. Inhaltlich unterschieden sich beide Texte kaum, beide Male stand nämlich jede Menge Bla Bla Bla drin.
Hi, ich mache Triathlon … Shut up!
Es geht in den Beiträgen um gewisse Eigenschaften, die man offenbar auf jeden Fall und ausschließlich nur dann erlangt, wenn man ein Triathlet ist. Hohe Motivation, Zielstrebigkeit, Ziele setzen, Pläne schmieden, Disziplin, Durchhaltevermögen – solche Oberflächlichkeiten halt. Wenn ich das nun alles lese, dann frage ich mich: Wären diese Männer im Umkehrschluss dann schlechtere Geschäftsführer, wenn sie keine Triathleten wären? Was wäre denn, wenn sie ihre Freizeit zum Beispiel bei der freiwilligen Feuerwehr verbringen würden? Oder in einer Band, um mit anderen Menschen zusammen Musik zu machen? Oder – stellt euch das mal vor – die würden ihre Zeit neben dem Job damit verbringen soziale Kontakte zu pflegen, ihre Familie und Freunde zu treffen und vielleicht sogar einfach mal zu chillen.
Ich habe noch nie einen Bericht mit dem Titel „Ich bin ein besserer Boss, weil ich bei der freiwilligen Feuerwehr bin!“ gelesen. Oder: „Wie mir meine Band-Kumpels dabei helfen ein besserer Chef zu sein.“ Schade eigentlich.
Hier ist das Ding: Eine gut gemeinte Erklärung für solche Beiträge ist meine Vermutung, dass die Autoren inspirieren und zeigen wollen, wie man ein erfolgreicher Unternehmer wird. Nämlich indem man diese positiven Attribute, die man als Triathlet offenbar haben MUSS, auf sein restliches Leben und die Arbeit überträgt. Die Erfolgsformel erscheint daher relativ simpel: arbeite hart und viel, werde Triathlet (am besten Ironman) und zack! bist Du erfolgreich.
Nun, zum einen ist das doch Bullshit und zum anderen stelle ich mir die Frage, ob solche Beiträge Interessierte nicht sogar davor abschrecken, selbst Triathlon zu machen oder es mal auszuproberien? Was ist denn mit den Menschen, die nicht den ultimativen Willen in sich haben ihr gesamtes Leben dem Sport unterzuordnen? Muss ich, wenn ich Triathlon machen möchte, wirklich ständig hochmotiviert, zielstrebig, diszipliniert sein? Haben Menschen nichts im Triathlon verloren, die sich keine (sportlichen) Ziele stecken und vielleicht auch mal ein Training abbrechen oder ganz ausfallen lassen, wenn sie einfach keinen Bock haben?
Triathlon: Sport einfach nur zum Spaß?
Erst vor kurzer Zeit hatte ich ein Gespräch darüber wie seltsam ich es finde, dass ich wirklich kaum einen Triathleten oder eine Triathletin kenne, die Triathlon als reines Hobby betreiben. Und mit Hobby meine ich, dass es ein sportlicher, aktiver Zeitvertreib ist, der aber nicht das restliche Leben bestimmt. Offensichtlich ist es so (und wird so vorgelebt und zelebriert), dass Triathlon nicht nur die Kombination von drei wirklich geilen Ausdauersportarten ist, sondern dass Triathlon direkt zur Lebenseinstellung werden muss. Train, eat, sleep, repeat.
Ich bin mir fast sicher, dass Triathlon sich im Moment stark entwickelt. Weg von einem Sport für Egomanen und Selbstdarstellern, hin zu einer sportlichen und zeitgemäßen Bewegung für die Gesellschaft. Triathlet zu sein war mal etwas sehr Besonderes; eine Möglichkeit um sich abzugrenzen oder abzuheben und zu zeigen, was für ein toller Hengst man ist. Mittlerweile ist es nicht mehr so spektakulär. Zum Glück! Triathlon wird selbstverständlicher, da es immer mehr Menschen gibt, die Triathlon betreiben. Es muss ja nicht immer Ironman sein! Klar, gibt es über eine Sprint- oder Kurz-Distanz vielleicht nicht so viel Heldenhaftes zu erzählen, wie über den langen und harten Kampf über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen. Aber wie sympathisch ist es bitte, wenn man es eben nicht nötig hat, den Triathlon zur Selbstdarstellung zu missbrauchen?
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