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[PORTRAIT] Tanja Erath | Elf Ritzel für ein Halleluja

Über Tanja Erath gab es in den vergangenen Wochen und Monaten jede Menge zu lesen. Allerdings ist sie mehr als „nur“ die Siegerin der Zwift Academy und neues Mitglied im Damen-Radsport Team von Canyon//SRAM Racing. Bei Pushing Limits stellen wir euch Tanja und ihre Geschichte nun mal etwas genauer vor.

Niclas Bock von Pushing LimitsNiclas Bock
Ehrlich währt am längsten
11. März 2018 Personality Radsport

Freitagnachmittag, irgendwann Anfang der 90er Jahre, irgendwo im Schwabenländle. Familie Erath hat mal wieder das Auto gepackt: Zwei Räder, zwei Helme, zwei Mal das Zeug, das man halt so braucht für einen Rad-Marathon, und die Tasche für Stefanie und ihre kleinere Schwester Tanja, die übers Wochenende bei den Großeltern bleiben dürfen. „Fahrt vorsichtig und strengt euch nicht so an“, wünscht sich die Oma bei der Verabschiedung. „Nein, nein. Wir holen die Mädels Sonntagabend wieder ab“, verspricht Papa Gerd. Mama Andrea ruft im Gehen: „Und esst nicht so viele Süßigkeiten!“ … Ungefähr so stelle ich mir die Szene vor, als Tanja mir von ihren aller ersten Erinnerungen erzählt, die sie mit dem Radsport verbindet.

An den besagten Wochenenden fuhren die Eltern Radrennen, wie die Alb-Extrem, den Dreiländer Giro oder andere Radmarathon-Klassiker „und kamen dann immer mit einem neuen Trikot nach Hause, auf dem irgendwas mit 250 Kilometern und 30 Millionen Höhenmetern stand“, erinnert sich Tanja lachend und sehr gerne an diese Zeit zurück.

Genauso gerne wie an die Ferien, die die Familie damals damit verbracht hat zur Tour de France zu reisen und die Etappen hautnah vom Streckenrand mitzuerleben? Naja. Tanja erklärt das so: „Als kleines Mädel ist es noch relativ langweilig am Straßenrand zu stehen und zu warten, dass da ein paar Radfahrer kurz vorbeirauschen. Das fand ich nicht so toll. Aber der Werbetross hat mir gefallen, da hat man Käse bekommen und Taschenrechner. Das fand ich immer klasse.“ Jaja, die Welt durch Kinderaugen.

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Wann kommt denn hier endlich der Werbetross? Auf die Tour de France freut sich die kleine Tanja vor allem wegen den Werbegeschenken.

Heute trägt Tanja das Trikot des UCI Teams von Canyon//SRAM Racing. Seit kurzem lebt sie mit einigen ihrer Team-Kolleginnen in einer WG im spanischen Girona. Sie wird dieses Jahr an knapp 200 Tagen unterwegs sein und an über 30 Tagen Rennen fahren. In Trainingslagern und bei Wettkämpfen kümmern sich Mechaniker, Köche und Physiotherapeuten um ihr Wohl. Ihre Eltern müssen mächtig stolz auf sie sein. Auch, oder gerade weil Tanja sich ihren Weg, ihre Träume und ihre Ziele immer selbst ausgesucht hat.

Es vergehen Jahre bis Tanja die Liebe zum Radsport für sich entdeckt. Etwa als sie 16 ist – mittlerweile hat sie sich, nach Versuchen als Tischtennis-Spielerin, in der rhythmischen Sportgymnastik, der Leichtathletik und beim Judo, einem Triathlon-Verein angeschlossen – interessiert sie sich das erste Mal ganz bewusst für die Tour. Mit ihren Team-Kollegen schaut sie jede Etappe. Der Film „Höllentour“ wird zu ihrem ganz persönlichen Blockbuster. Während ihren Trainingseinheiten auf der Rolle schaut sie immer wieder die Doku der Tour de France 2003, mit Erik Zabel und Rolf Aldag in den Hauptrollen. Hunderte Male. So oft, dass sie mittlerweile jedes Wort des knapp zwei Stunden langen Films mitsprechen kann.

Neben dem Abitur, ihrer Ausbildung als Krankenpflegerin und später ihrem Medizinstudium, trainiert Tanja fleißig, um sich als Triathletin immer weiter zu verbessern. Die Schwimmleistung ist gut, ihr Radfahren noch besser. Sie schafft es bis in die Triathlon-Bundesliga. „In meine Bundesliga-Teams bin ich vor allem reingekommen, weil das Radfahren meine Stärke war. Meine Aufgabe war es immer, die Mädels nach dem Schwimmen nach vorne zu fahren“ – kurze Denkpause. Dann erzählt sie weiter: „Um dann beim Laufen zu sterben.“

Tanja-Erath-Triathlon-Bundesliga

Aber sie gewinnt auch Rennen. Und sie fängt an zu träumen: „Nach meinem Sieg über die Mittel-Distanz beim Cologne Triathlon Weekend, habe ich das erste Mal daran gedacht, wie es wohl wäre, wenn ich mich voll und ganz dem Sport widmen könnte.“ Das war im September 2012. Es wurde Winter.

Vier weitere Jahre als Triathletin, ohne vollen Fokus auf den Sport zu legen, ziehen ins Land. Der Mut habe ihr gefehlt, meint Tanja heute. Mut, der nötig gewesen wäre, um sich für die eine und gegen die andere Sache zu entscheiden. Die eine Sache, das war der Sport. Die andere Sache, das war ihr Studium. Denn in Tanjas Brust schlugen schon immer zwei Herzen – das einer Athletin und das einer Ärztin: „Mein Traum war es irgendwann mal in einem Krankenhaus zu arbeiten, einen Arztkittel zu tragen.“ Ein Traum, der in den kommenden Jahren zweifelsohne in Erfüllung gehen wird. Denn ihr Medizinstudium und das Praktische Jahr hat sie Ende letzten Jahres erfolgreich abgeschlossen.

Tanja-Erath-Medizinstudium-Krankenpflege-Ausbildung
Hoch hinaus! Irgendwann mal als Ärztin, jetzt erstmal als Radsportlerin.

Vorher nimmt sie sich nun die Zeit, um sich einen anderen Traum zu erfüllen. Den, vom Leben als Athletin. Die Geschichte von Tanja (die durch eine Verletzung dem Triathlon 2016 den Rücken gekehrt und seitdem an Fixedgear-Rennen teilgenommen hat), wie sie den Sprung ins Team von Canyon//SRAM Racing geschafft hat, ist mittlerweile bekannt. Die Redbulletin – das Haus und Hof Magazin von Red Bull –, die Portale von cyclingnews.com, cyclingweekly.com, cycling.com und viele mehr haben über ihren Sieg bei der Zwift Academy berichtet.

Auf den Social Media-Kanälen ihres neuen Teams ist Tanja ohnehin längst stark involviert. Die Zahl ihrer Instagram-Follower hat sich binnen kürzester Zeit verdoppelt. Die meisten ihrer Interviews gibt sie mittlerweile auf englisch, die Termine legt sie auf ihre Ruhetage. Gespräche auf deutsch mit dem TOUR Magazin, der Rennrad oder auch den Ruhr-Nachrichten sind da eine willkommene Abwechslung. Ob sie das mal für möglich gehalten hätte? Tanja kommentiert das bescheiden:

Grundsätzlich finde ich das alles immer noch sehr verwirrend.

Kein Wunder. In kürzester Zeit musste sie beginnen, ein neues Leben zu führen. Keine Gelegenheit, alles mal sacken zu lassen. Erst jetzt kommen nach und nach die Momente, in denen sie anfängt zu begreifen, was da eigentlich gerade los ist bei ihr. Sie erzählt davon, wie sie durch die alten Gassen von Girona spaziert und realisiert, dass ihre Hauptaufgaben nun darin liegen Sport zu treiben und gesund zu bleiben. Dass sie dafür bezahlt wird, in den schönsten Ecken Spaniens Rad zu fahren.

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Über den Triathlon zum Radsport: Ihre ehemalige Team-Kollegin von Racing Aloha und Freundin Laura Zimmermann hat Tanja den Tipp für die Teilnahme an der Zwift Academy gegeben

In allem was Tanja sagt und erzählt, steckt vor allem eins: Dankbarkeit. Für die Wochenenden bei Oma und Opa. Für die Ferien bei der Tour de France, für Käse und Taschenrechner. Für ihre Zeit im Triathlon mit den Bundesliga-Teams und den Mädels von Racing Aloha. Für ihre Erfahrungen als Fixed-Fahrerin bei den Rad Races und Red Hook Crits. Und nicht zuletzt für die Chance, die ihr durch die Zwift Academy geschenkt wurde: Ein Leben als Profi-Sportlerin.

Ich verfolge Tanjas Weg weiter und in einigen Wochen spreche ich mit ihr über alle Veränderungen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen als Profi-Radfahrerin sowie ihre ersten Rennen. Ich werde berichten.

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1 Kommentare

  1. Credit: Sean Jefferson Zwift is mentioned with such regularity by athletes on here that I’m starting to feel I’m missing out. Olympic gold medallist Amy Williams mentioned it in her interview, Ironman number two, Lucy Charles, raved about it, and you might remember I interviewed Zwift Academy winner and CANYON//SRAM pro rider, Tanja Erath last December. Plus, if you follow Zwift’s social channels you’ve probably spotted news of the new Specialized Zwift Tri Academy, which gives competitive age-groupers the chance to earn a place on the Ironman-specific Specialized Zwift Tri Team. With a view to signing up to try Zwift myself (hello, Wattbike Atom), I enlisted the help of 27-year-old pro triathlete, Holly Lawrence, winner of multiple Ironman 70. 3 triathlons (including the 2016 World Championship), and big Zwift fan herself, to give me the lowdown.

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