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Challenge-Roma

Challenge Roma | Chaos infernale vor den Toren Roms

Ein haarsträubender Tag liegt hinter mir. Durch meine Verletzung war ich beim Challenge Roma zum Zuschauen verdammt und konnte meine Freundin, die am Start war, so gut es ging unterstützen. Insgesamt verspüre ich nach meinen Erlebnissen heute aber das Bedürfnis, meine Meinung zu einem Triathlon, der das Challenge-Label nicht verdient hat, niederzuschreiben.

Niclas Bock Ehrlich währt am längsten
15. April 2018 Blog Triathlon Wettkämpfe

Natürlich muss man wissen auf was man sich einlässt, wenn man bei einem Triathlon in Italien an den Start geht. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Planungssicherheit sind nicht unbedingt die Stärken der Italiener. Weiß ich. Und bis zu einem gewissen Punkt ist es sicher auch mit Humor zu nehmen und einen gewissen Charme hat diese südländische Lockerheit ja auch. Bei einem Wettkampf aber, wo Athleten auf der einen Seite relativ viel Startgeld bezahlt haben und andere Athleten, die Profis nämlich, ihr Geld verdienen, muss einfach ein gewisser Standard herrschen. Alles andere ist eine Farce.

Challenge Roma: Ein Tag, wie kein anderer sein sollte

Sonntag, 13.00 Uhr: Noch immer ist nicht klar, wann welche Startgruppe ins Rennen geschickt wird. Der Startschuss der Profi-Männer fällt um 13.15, um 13.17 Uhr für die Profi-Damen. Wann es für die Age Grouper (und in welchen Gruppen) losgeht, ist noch ein Rätsel. Erst wenige Minuten vor dem Start der ersten Age Group-Welle um 13.20 Uhr verkünden die Organisatoren den weiteren Ablauf. Warum dieser Plan nicht bereits in den Tagen vor dem Wettkampf, spätestens aber am Samstag vor dem Rennen, feststeht, verstehe ich bis heute nicht.

Sonntag, kurz nach 14.00 Uhr: Mit einem Kumpel bin ich zurück im Hotel und wir beraten den weiteren Tagesablauf. Wir rechnen hoch, dass wir uns gegen 15.30 Uhr wieder an der Strecke positionieren sollte, da zwischen 15.40 und 15.45 Uhr die ersten Profis von der Radstrecke zurückkehren sollten. Bereits um kurz vor 15.30 Uhr schießen die beiden Spitzenreiter Patrick Dirksmeier und Johann Ackermann zurück in den Hafen von Rom. Warum so früh? Das erklärt sich später: Die Radstrecke betrug lediglich irgendwas zwischen 75 und 80 Kilometern.

Wenn’s ums Geld geht

Sonntag, kurz nach 15.30 Uhr: Patrick und Johann werden von einem offiziellen Motorrad zum Abbiegen in die Wechselzone gewiesen. Sie platzieren ihre Räder in der Wechselzone und wollen sich auf den Weg auf die Laufstrecke machen. Ihr Vorsprung beträgt zu diesem Zeitpunkt deutlich über drei Minuten auf ihre nächsten Verfolger. Ehe sie sich versehen, werden sie von anderen Offiziellen dazu angehalten, ihre Räder wieder vom Ständer zu nehmen und zurück auf die Strecke zu fahren. Offensichtlich hatten sie den falschen Weg genommen, der ihnen ja allerdings von den Offiziellen angewiesen wurde. Nachdem beide auf die Strecke zurückgekehrt sind und den „richtigen“ Weg eingeschlagen hatten, war ihr Vorsprung bereits auf nur noch etwas über eine Minute geschmolzen.

Natürlich ist das nur ein Rechenspiel, aber nehmen wir mal an, den beiden sind zwei Minuten durch diese Aktion des Veranstalters flöten gegangen. Wir ziehen diese zwei Minuten von ihren Ergebnissen im Ziel ab, dann wäre Patrick auf Platz zwei (statt Platz fünf) gelandet und Johann auf Platz vier (statt Platz sieben). Der Unterschied in Geldscheinen: Patrick hätte statt den 850 Euro für seinen 5. Platz 2.100 Euro für den 2. Platz erhalten. Johann für den 4. Platz 1.150 Euro anstatt gar nichts für den 7. Platz.

Das ist für Triathlonprofis verdammt viel Geld, glaubt mir.

Sonntag, der restliche Nachmittag: Nick, der mit Videokamera bewaffnet das Renngeschehen einfing, und ich hatten unsere Position auf der Laufstrecke gefunden. Wir positionierten uns an einer Gabelung, an der wir die Athleten drei Mal pro Runde sehen konnten.

Dass hier, mitten im Wettkampfgeschehen, die einzige Verpflegungsstelle auf der ganzen Laufrunde entstehen sollte, war nicht abzusehen. Als die ersten Profis vorbeikamen stand dort erstmal noch: Nichts. Um uns herum wurden dann mit einer Seelenruhe zwei Pavillons, Wasserkübel, Red Bull Drinks, Kekse und Bananen platziert. Helferanzahl: 8 – an einer Stelle, an der Athleten aus drei unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig vorbei liefen.

Außerdem wurde sowohl bei der Wettkampfbesprechung am Vortag, als auch im Athleten Guide versprochen, dass es neben Wasser, Red Bull, Keksen und Bananen, folgendes geben sollte: Iso-Drinks, Gels, Riegel, Süßigkeiten. Von zehn Athleten, verzweifelten mindestens acht daran, dass sie sich nicht so verpflegen konnten, wie sie es für ihr individuell geplantes Rennen hätten tun müssen bzw. geplant hatten. Die Betreuer der Profi-Athleten mussten irgendwann den offiziellen Helfern unter die Arme greifen und so fanden wir uns alle plötzliche mit Wasserbechern am Streckenrand wieder und versuchten das größte Übel noch zu lindern. Es herrschte das pure Chaos.

Übrigens: Auf der Radstrecke gab es nur Wasser.

Ein No-Go

Im Ziel erzählt mir meine Freundin, dass sie auf der Schwimmstrecke – im offenen Meer – vollkommen allein geschwommen ist. Sie ist eine gute Schwimmerin und kam als erste Amateurin aus dem Wasser, aber wie viele Athleten haben bitte schön große Probleme mit dem Schwimmen? Es gab weder Kanus, noch irgendwelche Bodyboards oder sonstigen Möglichkeiten, die draußen auf dem Meer hätten helfen können, wenn dort etwas passiert wäre. Ja, das ist fahrlässig und – sorry – aber macht mich verdammt wütend.

In diesem Sinne: Liebe Challenge Family, ein gewisser Standard sollte euer Anspruch sein und ihr müsst euch leider auch an Events, wie diesem heute hier vor den Toren Roms, messen lassen. Für heute bin ich bedient.

Bocki.

3 Kommentare

  1. Danke für deine Info..die Veranstaltung ist keine Option mehr für mich. Mir wird vom Lesen allein ohne Salzwasser schon übel.

  2. Ich hoffe ihr habt das auch an offizieller Stelle gemeldet – das ist wirklich völlig fahrlässig und bei dem Startgeld auch eine Unverschämtheit!!! Damit werde ich auch Riccione von meinem Plan für nächstes Jahr streichen…

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